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Worte anläßlich der 250. Wiederkehr des Geburtsjahres der Paläoklimatologie

Kerner-Marilaun, Fritz

Kurzfassung

Im Schlußwort zu meiner 1930 erschienenen Paläoklimatologie (1) nahm ich auf den von SAPPER (2) erwähnten Erstfall Bezug, in welchem - 1688 - aus einem paläontologischen Befunde auf ein vom heutigen abweichendes Vorzeitklima geschlossen wurde und knüpfte daran eine Reihe von Betrachtungen, welche auch am Platze wären, wenn man jetzt in unserer gedenkjahrfreudigen Zeit die 250. Wiederkehr des Geburtsjahres der Altklimakunde feiern wollte. Indessen möchte ich in dieser Zeit der Knappheit an leicht zugänglicher Stelle schon Gesagtes nicht wiederholen und mich auf das beschränken, was seit 1930 neu zu sagen ist. In unseren rasch nach vorwärts drängenden Tagen soll auch ein Jubiläum nicht die Gelegenheit zu einer weitschweifigen Rückschau geben, sondern zu einer Besinnung über den heute erreichten Stand der Dinge und über das vom Jubilar noch zu Erstrebende Anlaß sein. Wir stehen drei Tatbeständen gegenüber: 1. Eine sachgemäße Beurteilung der Paläoklimate ist nur unter Rücksichtnahme auf die geographischen Verhältnisse der Vorzeit möglich. 2. Unseren Erkenntnismöglichkeiten über die Geographie der Vorzeit sind sehr enge Grenzen gesteckt. 3. Für die Behandlung verschiedener Probleme der Geologie ist die Bezugnahme auf paläoklimatische Verhältnisse nötig. Zu 1. enthalten meine 1934 erschienenen Beiträge zur Paläoklimatologie (3) die Erläuterung. Weil die Sonne - je nachdem sie Land oder Meer bestrahlt - eine verschiedene Erwärmung schafft, würde sich auch jede Änderung ihrer Strahlung im Land- und Seeklima verschieden auswirken. Die Isothermen würden bei einem Wechsel des Solarklimas nicht bloß eine Wertverschiebung erfahren, sondern auch ihren Verlauf und ihre Abstände ändern. Beim Wechsel von Sonnennähe und Sonnenferne würden sich im extremsten Falle die Winter- und Sommertemperaturen in den niedrigen Breiten im reinen Landklima fast zehnmal so viel als im reinen Seeklima ändern. Man kann so in bezug auf die Klimagestaltung in einem Erdgebiet sagen: Nicht darauf kam es zunächst an, ob die Exzentrizität (und Ekliptikschiefe) klein oder groß war, ob das Perihel in den Winter oder Sommer fiel, sondern das war das Entscheidende, ob das Gebiet beim Eintritt der extremen Erdstellung vorwiegend land- oder meerbedeckt war. ...