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Kurzer Überblick über die Metallprovinz der Ostalpen und ihre Vererzung

Friedrich, O. M.

Kurzfassung

Über die Genesis der vielen Erzlagerstätten der Ostalpen steht eine allgemein anerkannte Anschauung noch aus. Der Zentralgranit der Hohen Tauern wird von GRANIGG, die ostalpinen Basalte z. T. von TORNQUIST und die andesitische Gesteinsfamilie der Südalpen von W. PETRASCHEK als Erzbringer angesehen. W. PETRASCHEK wies auf die genetische Zusammengehörigkeit vieler ostalpiner Erzlagerstätten hin, die durch einen magmatischen Großvorgang gebildet wurden. Die kennzeichnendsten Eigenheiten dieser ostalpinen Hauptvererzung sind: 1. Seit der Übersicht von B. GRANIGG ist die hofartige Anordnung von Lagerstätten um die Zentralmassive der Hohen Tauern bekannt. Aber nicht nur um diese, sondern auch um weitere Massive, die ANGEL und HERITSCH aus geologischen und gesteinskundlichen Gründen diesen gleichsetzen, treten magmanahe Erzlagerstätten vom Tauerntypus auf. Aber schon bei den etwas weniger magmanahen Fe-Cu-Lagerstätten verschwimmen diese Höfe ineinander. Die magmafernen Pb-Zn-Lagerstätten erstrecken sich längs des ganzen Ostalpenrandes, zeigen also nur eine hofartige Anordnung in bezug auf den mittleren Teil der Ostalpen. In jüngster Zeit wurde diese hofartige Anordnung, auf die GRANIGG schon 1912 hingewiesen hat, neuerdings unter Außerachtlassung weiterer wichtiger Gesichtspunkte als im wesentlichen der einzige Beweis für eine Ableitung der Erze von den Zentralgraniten angesprochen. 2. Soweit Näheres über die einzelnen Lagerstätten der alpinen Vererzung bekannt ist, stimmt deren Mineralfazies weitgehend mit jener der entsprechenden, von den Zentralkernen ausgehenden Regionalmetamorphose überein, worauf der Vortragende zusammen mit E. CLAR schon 1933 hingewiesen hat. In der Folgezeit konnten diese Beobachtungen noch weiter ausgebaut werden. 3. Der Mineralbestand und im besonderen auch die Metallführung zeigt in den verschiedenen Lagerstättengruppen eine gesetzmäßige chemische Übereinstimmung und eine meist ausgezeichnete Vergleichbarkeit in der Ausscheidungsfolge, auch hinsichtlich mancher Einzelheiten, wie gewisser Rekkurrenzen, seltener Elemente und Stoffgesellschaften usw. Daraus ist auf einen stofflich einheitlichen Ursprung und auf ähnliche äußere Bedingungen während der Vererzung (magmatische und tektonische Phasen) zu schließen. HIESSLEITNER und CZERMAK-SCHADLER haben, von der Verbreitung von Co, Ni und As ausgehend, schon solche regionale Schlüsse aus dem Stoffbestand gezogen. ...