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Beobachtungen am Vesuv im Frühjahr 1936

Reck, Hans

Kurzfassung

Einleitung: Die häufig eintretende frühjahrliche Belebung der Vesuvtätigkeit (1), die streng jahreszeitlich und daher durch klimatische Faktoren von außen her bedingt ist, oder besser gesagt, deren Auslösung durch äußere Kräfte begünstigt wird, hatten Herrn Kollegen BERNAUER und mich veranlaßt, zu ihrem Studium nach Neapel zu fahren. Die Arbeit des Ersteren hatte die Klärung der Physik und des Kleinmechanismus des Lavafließens als Hauptziel. Seine Ergebnisse von allgemein gültiger Bedeutung werden in der Zeitschrift für Vulkanologie Bd. XVII, H. 4 erscheinen. Hier möchte ich im Anschluß an eine kurze Übersicht über den Tätigkeitscharakter des Vulkans nur eine sehr eigenartige Fließform im Krater darstellen und besprechen, wie sie mir in so extremer Entwicklung noch von keinem Vulkan bekannt geworden ist und einige Bemerkungen über den Charakter und die wechselseitigen Beziehungen von Block- und Fladenlava anschließen. Der Tätigkeitscharakter des Vesuvs im Frühjahr 1936. Die frühjahrliche Belebung des Berges bezog sich weniger auf seine explosive, als vielmehr auf seine effusive Tätigkeit. Der freie Magmaabfluß verhinderte anscheinend sogar Gasansammlungen von größerem Volumen und höherer Spannung. Dementsprechend blieb die explosive Tätigkeit während unserer Anwesenheit vom 13.-18. April stets schwach, wenn auch erhebliche Intensitätsschwankungen zu verzeichnen waren. Im Durchschnitt zeigte der Konus ein ständiges Brodeln seines Inneren an, das durch unregelmäßiges stoßweises Ausblasen oder Auspuffen von 30-40 m hohen Explosionswolken mit oder ohne Schlackenladung unterbrochen wurde. Die Wolken waren daher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum höher als der Eruptivkonus selbst. Die ausgeworfenen Schlacken, die selten über den Fuß des Konus hinausflogen, waren zwar z. T. glühend, erhielten ihre Glut aber selten bis zu 1 Minute, waren also nicht sehr heiß. Die auch bei Tag oft sichtbare Durchleuchtung der Dämpfe über dem Kratermund bis zu 3-5 m Höhe, die sich während der Explosionen steigerte, zeigte deutlich, daß die glühende Lava sehr hoch im Rohr stand. Dieser für die letzten Jahre typische Frühjahrszustand des Vulkans, der durch seinen offenen Schlot eine ruhige Abgabe des Massenüberschusses des Berginneren gewährleistet, bietet der Bevölkerung des Vesuvumlandes die sicherste Gewähr gegen Überraschungen und zerstörende Akte des Vulkans. ...