Original paper

Über die Ausbildung des Zinnsteins in sächsischen Zinnerzen

Teuscher, E. O.

Kurzfassung

Die aus vielen Mineralien-Sammlungen wohlbekannten Stufen mit schön ausgebildeten Kassiterit-Kristallen von sächsischen Lagerstätten entsprechen nicht der wirtschaftlich wichtigsten Art der erzgebirgischen Zinnerze. Von wesentlich größerer Bedeutung als die gangartigen Vorkommen mit verhältnismäßig großen, gut idiomorphen, meist verzwillingten und deutlich zonaren Kristallen sind Imprägnationserze mit vorwiegend mikroskopisch fein eingesprengtem Zinnstein. Unter diesen haben wieder die durch Umwandlung und Zinnsteinimprägnation von Magmatiten entstandenen Erze (Greisen) weit größere Verbreitung als zinnsteinimprägnierte und der Glimmergreisenfazies angepaßte Gneise. Diese spielen eine gewisse Rolle auf den Zinnerzlagerstätten von Ehrenfriedersdorf und Pobershau, wo jedoch in den gegenwärtig erschlossenen Teufen der Hauptmetallinhalt an pegmatitische Quarzgänge geknüpft ist, die gelegentlich noch Feldspat führen. Zur genaueren Ermittlung der für die Aufbereitungsfragen besonders wichtigen Korngrößenverhältnisse wurden in der Staatlichen Lagerstättenforschungsstelle in Schliffen von Zinnsteingreisen, die etwa Durchschnittsverhältnisse widerspiegelten, die Anteile des Zinnsteins an Korngrößenklassen, die von 10 µ zu 10 µ gestuft wurden, festgestellt. Rund 2,5 cm2 große Schliffe von gut vererzten Greisen enthalten bis mehrere Hunderte Kristalle - im Maximum 1600 - von Zinnstein. Die kleinen, bis 10 u. 20 µ großen Kristalle machen zwar zahlenmäßig oft über 75% der vorhandenen Zinnsteinkörner aus, bleiben jedoch volumanteilig unter 30%, die kleinsten Körner von 10 µ durchschnittlichem Durchmesser sogar unter 10% der Menge des gesamten Zinnsteins. Bedenkt man, daß auch die ausgedehnten Greisenmassen der Zwitterstöcke von zahlreichen quarzigen Gängen und Trümchen mit größerkörnigem, megaskopisch sichtbaren Zinnerz durchsetzt werden (vgl. Abb. 1, flache Kurve), so ergibt sich, daß der Anteil der feinsten Korngrößenklassen am gesamten Zinnesteingehalt im Roherz von diesen sächsischen Lagerstätten doch mengenmäßig keine so große Rolle spielt, wie es auf Grund der bloßen Dünnschliffbetrachtung scheint. ...