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Die pliocän-diluviale Entwicklung des Mainlaufs

Bartz, Joachim

Kurzfassung

1. Einleitung: Nach meinen Untersuchungen (1936, S. 202 f.) stammen die Schotter der Dinotheriensande in Rheinhessen in der Hauptsache aus drei verschiedenen Einzugsgebieten, die durch die Ur-Nahe, den Ur-Rhein und den Ur-Main entwässert wurden. Das Einzugsgebiet des Ur-Rheins reichte bis zur Kaiserstuhlwasserscheide, das der Ur-Nahe bis ins Pfälzer Bergland. Das Einzugsgebiet des Ur-Mains konnte nicht näher festgelegt werden, da die Herkunft der ,Mainhornsteine", der Leitgerölle für den Ur-Main, ungeklärt blieb. Im Herbst 1935 hatte ich durch das freundliche Entgegenkommen meines inzwischen leider verstorbenen Chefs, Herrn Professor Dr. AXEL BORN, Gelegenheit, der Frage nach dem Oberlauf des Ur-Mains und der Herkunft der Mainhornsteine nachzugehen. Für Auskünfte im Gelände bin ich Herrn Regierungsrat HÄUSNER, Aschaffenburg, für freundliche Unterstützung bei der Ausarbeitung Herrn Assistenten KROLLPFEIFFER ZU herzlichem Dank verpflichtet. 2. Pliocäne und altdiluviale Schotter des Mains: Ich habe früher (1936, S. 222) darauf hingewiesen, daß die Erhaltung der Dinotheriensande in Rheinhessen besonders günstigen Umständen zu verdanken ist. Im östlichen Mainzer Becken und den angrenzenden Gebieten waren ähnlich günstige Verhältnisse nicht gegeben, daher sind dort die Ablagerungen der unterpliocänen Flüsse, insbesondere die des Ur-Mains, nicht erhalten geblieben. In Rheinhessen lassen sich die Ablagerungen des Ur-Mains in den Dinotheriensanden des nördlichen Westplateaus nachweisen; sie sind dort mit den Sanden und Kiesen des Ur-Rheins und der Ur-Nahe vermischt. Auf dem Ostplateau waren die Ablagerungen des Ur-Mains früher in Sandgruben bei Rechtsheim südlich Mainz aufgeschlossen, neuerdings sind sie dort bei der Anlage eines Schießstandes wieder angetroffen worden. Außerdem finden sich die Gerölle des Ur-Mains häufig als aufgearbeitetes Material in den jungpliocänen Ablagerungen des Ostplateaus, deren Beschreibung in einer späteren Arbeit erfolgen soll. Im östlichen Mainzer Becken sind vor allem die Dinotheriensande in dem alten zugewachsenen Bruch bei Bad Weilbach zu erwähnen, deren Alter nach KINKELIN (1901, S. 61) durch das Vorkommen von Mastodon longirostris belegt ist. In der Untermainebene haben sich die Ablagerungen des Ur-Mains in den Bohrungen nicht mit Sicherheit nachweisen lassen. ...