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Die Entstehungsgeschichte verschiedener Arten von Kreidefeuersteinen

Wetzel, Walter

Kurzfassung

I. Einleitung: Die Darstellung des Problems in der neuesten Literatur. Als ich 1922 (WETZEL, 1) auf das Feuerstein-Problem sedimentpetrographische Methoden anwandle, erschien es mir besonders interessant, daß eine Feuersteinart, nämlich die durch organisches Pigment stark gefärbten Flinte, auf besonders frühdiagenetische Bildung schließen lassen, weswegen ich von ,primären Feuersteinen" sprach. Der erste Anlaß zu solcher Auffassung war mir bereits 1913 gegeben, als ich (WEZTEL, 2) in einem feuersteinartig verkieselten senonen Treibholz die Teredo-Bohrgänge erfüllt fand von Weichteilresten der Bohrwürmer. Aber erst nach Untersuchung eines recht umfangreichen Materials, das verschiedenen Teilen des nordeuropäischen Kreidemeeres von Frankreich bis Polen entstammte, wagte ich es, die Behauptung der frühdiagenetischen Bildung der bezeichneten Flintart bestimmter auszusprechen, wobei als wahrscheinlich hingestellt, wurde, daß die als primär angesprochenen Flintknollen nicht aus der Zone des Kreidemeeres stammen, die im Untergrunde des europäischen Festlandes durch Ablagerungen bekannt ist, sondern aus einer nördlich davon gelegenen Zone der baltischen Kreide, freilich auch da nicht aus allen Horizonten. In Verfolgung dieses Gedankens untersuchte O. WETZEL (3) hauptsächlich jene unter unseren Geschieben häufige Feuersteinart weiter auf ihren mikropaläontologischen Gehalt und fand in Bestätigung meiner Befunde organische Reste von solcher Vergänglichkeit, daß ihre frühe Konservierung ganz außerordentlich wahrscheinlich wurde. Aus der Reihe der Entdeckungen O. WETZEL'S seien hier nur die Geißeln von Flagellaten genannt. Daß unsere primären Feuersteine neben so vergänglichen Resten auch widerstandsfähige Skelettgebilde der Kreide umschlossen haben, wie etwa die Hystrichosphären O. WETZEL'S, die auch in dichten Varietäten der Kreide selbst zu finden sind, ist selbstverständlich. (Daß ihre Untersuchung bei O. WETZEL breiten Raum einnimmt, versteht sich, weil diese Gebilde sich im Feuerstein als einem optisch günstigen Medium besonders gut studieren lassen.) Angesichts der Menge verschiedenartiger Verkieselungserscheinungen in der Natur hat die Sedimentpetrographie allen Grund, ihre Schlüsse auf möglichst reichliches, vielseitiges Material zu gründen und mit Verallgemeinerung der gezogenen Schlüsse vorsichtig zu sein. Das ist in den Arbeiten von O. WETZEL und mir wohl geschehen. ...