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Was ist wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit?

Hummel, K.

Kurzfassung

Im Zusammenhang mit Fragen der neuen Ausrichtung unserer wissenschaftlichen Arbeit, mit dem Einsatz der Wissenschaft für den neuen Vierjahresplan, mit Fragen der Raumforschung und Raumordnung usw. wird in der letzten Zeit häufig davon gesprochen, daß wissenschaftliche Gemeinschaftsarbeit mehr als bisher gepflegt werden müsse, weil dies die unserer Zeit und unserer Weltanschauung entsprechende Art der wissenschaftlichen Arbeit sei. Dies hat stellenweise die Besorgnis wach gerufen, als ob unter dem Kennwort ,Gemeinschaftsarbeit" nun eine staatliche Lenkung der Forscherarbeit einsetzen solle, die zu einer Beschränkung der freien Forschertätigkeit und damit zu einer Behinderung des wissenschaftlichen Fortschrittes führen müsse. Diese irrige Meinung beruht jedoch auf einer völligen Verkennung dessen, was unter wissenschaftlicher Gemeinschaftsarbeit zu verstehen ist und was das Ziel derartiger Gemeinschaftsarbeit sein soll. Es bleibt nach wie vor der freien Entschließung des einzelnen Forschers überlassen, seine Arbeitskraft in der Richtung einzusetzen, in der er nach seinen eigenen Fähigkeiten und Neigungen glaubt der Wissenschaft den größten Dienst erweisen zu können. Es ist auch von maßgebenden Stellen des Staates und der Partei in der letzten Zeit immer wieder und völlig eindeutig erklärt worden, daß man von der wissenschaftlichen Forschung nicht nur die Lösung unmittelbar wirtschaftlich oder technisch verwertbarer Fragen erwartet, sondern daß man auch die an keinen unmittelbaren praktischen Zweck gebundene Forscherarbeit als nützlichen Dienst am Volk betrachtet; denn auf dieser ,zweckfreien" Forschung beruht der technische Fortschritt der Zukunft und außerdem entspricht die wissenschaftliche Forschung genau wie die Arbeit des Künstlers als kulturelle Leistung den geistigen Bedürfnissen unseres Volkes. Gemeinschaftsarbeit erfordert also nicht notwendig eine Änderung und Beschränkung der Hauptarbeitsrichtung des einzelnen Forschers; wohl aber ordert sie eine Änderung der bisher meist vorherrschenden geistigen Haltung in der Verwertung der Ergebnisse der Arbeit. Bisher arbeitete der Forscher, um dem abstrakten Begriff der ,Wissenschaft" und dem wissenschaftlichen Fortschritt zu dienen - daneben aber um sich selbst zu dienen, wenn auch oft nicht gerade zur Mehrung der eigenen materiellen Gütter, so doch auf alle Fälle zur Mehrung des eigenen Ansehens und wissenschaftlicher Ruhmes. ...