Original paper

Planarbeit in Geologie und Paläontologie

Wehrll, Hans

Kurzfassung

Echtes wissenschaftliches Schaffen ist mit dem Schaffen der Künstler zu vergleichen. Sowenig normalerweise ein Kunstwerk auf Befehl entstehen wird, sowenig wird auf diesem Wege eine wissenschaftliche Leistung hervorgebracht. Diese an und für sich selbstverständlichen Sätze müssen leider heute noch jeder Erörterung über Planarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet vorangestellt werden, da immer noch Planung mit Befehlen in Verbindung gebracht wird. Daß von einem Befehlen keine Rede sein kann, hat auch BEURLEN deutlich ausgesprochen (diese Ztschr., 1937, S. 55). Sinn und Zweck einer Planung hier nochmals auszuführen dürfte sich erübrigen. Es ist aber notwendig einmal darzulegen, wie und auf welchem Gebiet eine Planung einsetzen könnte. Selbstverständlich kann hier nicht ein alles umfassender Plan dargelegt werden. Den Hauptsinn dieser Zeilen sehe ich darin, einige konkrete Vorschläge für eine Planarbeit zu machen, und so eine - hoffentlich im Interesse unserer Wissenschaft - fruchtbringende Aussprache zu eröffnen. Der erste Vorschlag, den ich hier behandeln möchte, wird schon angewandt, allerdings nicht bei uns, sondern in U. S. A., in einem Lande, das bestimmt nicht im Rufe der Unterdrückung der freien Wissenschaft steht. Es handelt sich um den Aufruf der Geological Society of Amerika, der auf S. 111 dieses Zeitschriftenbandes angeführt wurde, und in dem die Mitglieder aufgefordert werden, ihre Meinung darüber zu äußern, welche Forschungsaufgaben gegenwärtig als besonders dringend oder aussichtsreich zu fördern sind. Ich glaube, daß ein solches Vorgehen auch bei uns nur von Nutzen sein könnte und viele, vor allem jüngere Forscher, zu Arbeiten, die im Interesse des Ganzen stehen, veranlassen würde. Bei der Aufstellung dringlicher oder aussichtsreicher Aufgaben sind naturgemäß an erster Stelle solche zu berücksichtigen, die in unserem Vaterlande gelöst werden können. Unser Boden ist noch lange nicht erforscht. Auch in Deutschland gibt es noch Gebiete, die nach unseren heutigen Anforderungen als sehr wenig erforscht gelten müssen. Nicht besser steht es in der Paläontologie. Wieviel wertvolles Fossilmaterial liegt verstaubt in unseren Sammlungen und harrt dringend der Bearbeitung. Die Planung hat sich aber nicht nur auf die Themenstellung und die geldliche Unterstützung für die Durchführung der Arbeit zu beschränken, sondern auch auf die endgültige Ausführung. Nicht kleine Gelegenheitsarbeiten bringen uns in der Erkenntnis weiter, sondern eingehende Monographien. ...