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Skelettrekonstruktion von Brachiosaurus brancai aus den Tendaguru-Schichten Deutsch-Ostafrikas

Janensch, Werner

Kurzfassung

Im Lichthof des geologisch-paläontologischen Museums der Universität Berlin wurde im August 1937 die Aufstellung einer Skelettrekonstruktion von Brachiosaurus brancai vollendet. Dieser Sauropode ist der größte, den die Fauna der Tendaguru-Schichten in Deutsch-Ostafrika enthielt, er zeigt so viel Übereinstimmung mit den bekanntgewordenen Skelettelementen von Brachiosaurus altithorax RIGGS aus Colorado, daß generische Zusammengehörigkeit beider Arten trotz der gewaltigen Entfernung der Fundstätten angenommen werden mußte. Der Rekonstruktion liegt ein von Herrn E. HENNIG und dem Verfasser in den Jahren 1909 und 1910 ausgegrabenes Skelett zu Grunde, das in verschiedener Vollständigkeit Schädel, Hals- und Rumpfwirbel, Rippen, Vorder- und Hintergliedmaßen umfaßt. Der fast vollständige Schwanz stammt von einem zweiten Tier annähernd gleicher Größe. Die präsakrale Wirbelsäule ist nach den vorhandenen Wirbeln in Gips modelliert, da ihre Montierung wegen der großen Zerbrechlichkeit infolge ihres feinlamellösen Aufbaues und wegen ihres großen Gewichtes technisch kaum ausführbar war oder höchstens nur mittels komplizierter, unschöner Eisenkonstruktionen hätte durchgeführt werden können. Zudem ist es ein Vorteil, wenn diese Wirbel genauer wissenschaftlicher Betrachtung zugänglich bleiben. Ebenso wurde von dem in seinem Gesichtsabschnitt erhaltenen Schädel eine nach einem anderen, vollständigen Exemplar ergänzte Nachbildung hergestellt. Einige fehlende Skelettelemente wurden durch andere Einzelfunde ersetzt oder in Gips nach vorhandenen Stücken nachgeformt wie z. B. das Kreuzbein. Ohne bestimmtes Vorbild frei rekonstruiert sind lediglich einige wenige Elemente des Fußskelettes, eine größere Anzahl Hämapophysen und das äußerste Ende des Schwanzes, das in nicht bekannter Länge als fehlend angenommen wurde. Die Gattung Brachiosaurus erweist sich in der Skelettrekonstruktion als ein ganz eigenartiger Typus, wie er sonst unter den Reptilien nicht gefunden wurde und wie er nach dem heutigen Stande unseres Wissens höchstens bei älteren, bislang nur unvollständig bekannten verwandten Sauropoden in vermutlich schwächerem Grade ausgeprägt gewesen sein könnte. Der Hals erreicht durch Streckung der einzelnen Wirbel extreme Länge. ...