Original paper

Die Kimmerische Gebirgsbildung im Bereich der Sudeten

Scupin, Hans

Kurzfassung

Einführung, Nordsudeten und Mittelsudeten: Wenn wir in Schlesien und Böhmen von Kimmerischer Gebirgsbildung sprechen, so sollen damit die nachweisbaren orogenen Krustenbewegungen erfaßt werden, die sich in den Nordsudeten zwischen Muschelkalk und Cenoman, in den Mittelsudeten zwischen Oberzechstein und Cenoman abgespielt haben, wobei wir allerdings den Analogieschluß machen, daß sie nicht nur vorcenoman, sondern vorkretazisch sind. Für die Nordsudeten habe ich bereits vor langer Zeit auf derartige Krustenbewegungen hingewiesen (1910 und 1912/13), die sich aus der übergreifenden Lagerung des Cenomans über alle drei Stufen des Buntsandsteins (H. Sc. 1933) ergeben. Die weitere Bearbeitung dieser später von mir (1928, 1932 und 1934) bereits als kimmerisch angesprochenen Gebirgsbildung habe ich dann einem meiner Schüler, K. BEYER, übergeben, der ein klares paläogeographisches Bild dieser Orogenese entwerfen konnte (1932) (vergl. die Kartenskizze BEYER'S Taf. 30, sowie zur allgemeinen Orientierung die alte Übersichtskarte von BEYRICH, ROSE, ROTH und RUNGE und die tektonische Kartenskizze des Verf. 1933). BEYER unterschied von NW nach SO je 3 rheinisch streichende kimmerische Mulden und Sättel: die Gießmannsdorfer Buntsandsteinmulde, den Langvorwerker Buntsandsteinsattel, die Löwenberger Buntsandsteinmulde, den Höfel-Röhrsdorfer Buntsandsteinsattel, die Hainwald-Lähner Buntsandsteinmulde und den Röhrsdorfer Buntsandsteinsattel. Diese Mulden und Sättel werden durch einen großen, mindestens 70 km langen, herzynisch (= antirheinisch) streichenden Bruch kimmerischen Alters abgeschnitten, jenseits dessen nordnordöstlich Muschelkalk folgt, gegen den der Buntsandstein etwa 200 m relativ gehoben ist, die Hermsdorfer Buntsandstein-Randlinie, von ähnlichem Verlauf wie die jüngere laramische Hermsdorfer Spalte, an der umgekehrt der NO-Flügel, altpaläozoische Schiefer, gegen Kreide relativ gehoben erscheint. Das Ausmaß der kimmerischen Aufwärtsbewegung in den Nordsudeten war dabei wesentlich geringer als in den Mittelsudeten, da die Kreide in den Nordsudeten, wie gesagt, auf Trias liegt (H. Sc. 1934) - die Auffassung, daß sie auch auf die alten Schiefer übergegriffen hat, konnte als irrig zurückgewiesen werden -, während in den Mittelsudeten im wesentlichen kontinentaler Oberzechstein, im SO sogar stellenweise Oberkarbon das Liegende bildet. ...