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Stratigraphische und paläogeographische Übersicht über das Voroberkarbon im nördlichen Teil des linksrheinischen Schiefergebirges

Paeckelmann, Werner

Kurzfassung

Die Umgebung von Aachen ist klassisches Gebiet der Geologie. Probleme der verschiedensten Art haben seit über 100 Jahren die Forscher in dies deutsche Grenzgebiet geführt, und es bietet uns auch heute noch eine Fülle von ungelösten Problemen, die kurz zu streifen ich versuchen will. Die geologische Geschichte beginnt im tiefsten Paläozoikum. Die ältesten Gesteine sind vorordovizisch und gelten als Kambrium. Sie bilden den Kern der alten Massive, des Brabantermassivs im Norden und der Ardennenmassive im Süden, zu denen auch das Hohe Venn im Süden von Aachen gehört. Die ältesten, paläontologisch fixierbaren Gesteine, die Salm-Schichten, gehören dem unteren Tremadoc an, bilden also die Basis des Ordoviziums. Darunter erscheinen in den Ardennen die von DUMONT als Systeme Revinien und Systeme Devillien bezeichneten Schichtfolgen. In den Schichten von Deville hat man bisher nur wenige Problematica gefunden, die man als Oldhamia und als Wurmfährten anspricht. Auf Grund des Vorkommens von violettroten Dachschiefern hat man die Deville-Schichten mit den englischen Llanberis-Schiefern verglichen und ins Mittelkambrium gestellt. Die Deville-Schichten bestehen im Kern der Ardennensättel aus hellfarbigen, meist grünlichen, serizitreichen Phylliten mit Einlagerungen von weißen und grünlichen Quarziten. Auch am Brabanter Massiv finden wir eine ähnliche Entwicklung, so daß wir annehmen können, daß diese feinklastischen marinen Sedimente im Untergrunde Nordwest-Europas größere Verbreitung haben, d. h., daß Brabant, Ardennen und Venn zur Deville-Zeit dem großen englisch-baltisch-böhmischen Meere des Mittelkambriums angehörte. Im Oberkambrium wurde das Meeresgebiet von Süden her vielfach eingeengt, doch blieb es in Nordwest-Europa unverändert.