Original paper

Über den Sonnenbrand der Gesteine

Hibsch, J. E.

Kurzfassung

Auf der Natursteintagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft zu Darmstadt vom 30 Mai bis 1. Juni 1935 stand auch die Frage des ,Sonnenbrandes" der Gesteine in Verhandlung. In Band 87 der Zeitschrift der genannten Gesellschaft sind Seite 452 bis 479 diesbezügliche Berichte von HOPPE, Jena, H. STÜTZEL und H. JÜNGST, Darmstadt, enthalten. Namentlich W. HOPPE behandelt ,Wesen und Erscheinung des Sonnenbrandes" sehr ausführlich und gelangt schließlich zu folgender Vorstellung über den Vorgang bei der Bildung des Sonnenbrandes: ,Die Voraussetzung für das Auftreten des Sonnenbrandes liegt in dem Vorhandensein der sich optisch anormal verhaltenden Restglasausscheidung der basischen Basalte, die labiler Natur ist. Chemische und physikalische Prozesse wirken zusammen. Zuerst setzen chemische Vorgänge ein. Es wird angenommen, daß die Restglasmasse - nach unseren Versuchen - eine Hydrolyse mit folgender Hydratisierung und - nach STEUER und seinen Mitarbeitern - infolge ihrer zeolithähnlichen Beschaffenheit eine Entglasung unter ± Wasseraufnahme zu Zeolithkriställchen erfährt. Als Folge der chemischen Prozesse setzen Vorgänge physikalischer Natur ein. Durch die Veränderungen in der Restglasausscheidung entstehen an den Stellen ihrer schlierigen Anordnung die grauen Flecken." .... ,Die mit den Veränderungen in der glasigen Füllmasse vor sich gehenden Volumschwankungen führen zur Entstehung von Rissen. .... Die Anlage zum Sonnenbrand ist demnach im frischen Gestein vorhanden." ,Es wird vorgeschlagen, nur dann von Sonnenbrand zu sprechen, wenn die Erscheinung an Veränderungen in der glasig erstarrten und labilen Restausscheidung des Magmas geknüpft ist. Alle anderen ähnlichen Merkmale sollen nur als sonnenbrandähnliche Erscheinungen aufgefaßt werden." ,Sonnenbrand tritt nach dem vorliegenden Material nur an basischen Basalten mit Restglassubstanz auf, an mittelsauren i. a. nicht und in sauren mit Intersertalstruktur überhaupt nicht. Ferner scheinen Schlotbasalte eher zum Sonnenbrand zu neigen als Deckenbasalte." (W. HOPPE 1935, S. 471 u. 472.) Vorstehende Folgerungen von W. HOPPE widersprechen teilweise sonstigen Erfahrungen. Es sind nämlich ganz typische Erscheinungen von Sonnenbrand (Fleckbildung, Auftreten von Rissen und Zerfall zu Graupen) auch an Basalten beobachtet worden, in denen gar kein Gesteinsglas vorhanden ist.