Original paper

Wissenschaft und Welteislehre

Hummel, K.

Kurzfassung

Wenn unwissenschaftliche Gedankengänge über wissenschaftliche Fragen in weiten Volkskreisen Fuß fassen können, so ist dies einerseits ein Zeichen für die an sich erfreuliche Tatsache, daß im Volk Interesse für diese wissenschaftlichen Fragen vorhanden ist; andererseits bedeutet eine derartige Entwicklung aber einen Vorwurf gegen die maßgebenden Vertreter der Wissenschaft, die es versäumt haben, dem wissenschaftlichen Bedürfnis des Volkes auf Grund ihres besseren Wissens in angemessener Form Befriedigung zu verschaffen, und die es auch nicht verstanden haben, sich im Volk so viel allgemeines Ansehen zu bewahren, daß eine derartige Entwicklung von vornherein unmöglich gewesen wäre. Die Schuld an der Entfremdung zwischen Wissenschaft und Volk trifft freilich nicht allein die Vertreter der Wissenschaft; mit schuld ist auch in sehr erheblichem Maße die Untergrabung des Ansehens aller überkommenen Autoritäten durch die marxistische Verhetzung der Vor- und Nachkriegszeit. Es ist kein Zufall, daß die schon vor dem Kriege entstandene Welteislehre HÖRBIGERS ihre ersten großen Erfolge in der deutschen Öffentlichkeit in den Nachkriegsjahren erreichte; es ist ihr damit (ohne daß sie selbst geistige Beziehungen zum Marxismus besaß) jene aus dem Marxismus geborene Volksstimmung zugute gekommen, die stets geneigt war, gegen alle Autoritäten, und somit auch gegen die Ansichten der ,bürgerlichen" Hochschulwissenschaft Sturm zu laufen. Wenn die damaligen Anhänger und Vertreter der Welteislehre an sich keine ,Proletarier", sondern großenteils Vertreter durchaus ,bürgerlicher" Stände (namentlich Techniker) gewesen sind, so spricht dies nicht gegen die dargelegte Auffassung von der Ursache dieser geistigen Entwicklung, es zeigt vielmehr nur, wie weit die geistige Verwirrung und die Entfremdung zwischen den verschiedenen Volksschichten damals gediehen war; mitschuldig daran sind auch die Hochschulgelehrten, die großenteils Wissenschaft um der Wissenschaft willen (und nicht um des Volkes willen) getrieben haben, und die dadurch die Fühlung mit dem Volke verloren haben. Dieser Zustand ist leider auch heute noch nicht ganz überwunden. Die Bedeutung und Unentbehrlichkeit der Wissenschaft (und insbesondere der Naturwissenschaft) für das Volksleben ist zwar grundsätzlich vom Nationalsozialismus anerkannt; dies zeigen vor allem viele im Hinblick auf den Vierjahresplan ergriffene Maßnahmen.