Original paper

Eine altpaläozoische Korallenfauna von Chios

Weissermel, W.

Kurzfassung

In dem schwer zugänglichen Innern von Chios sammelte Herr PAECKELMANN eine kleine Korallenfauna, die er zur Bearbeitung mir übergab, nachdem er zunächst eine vorläufige Bestimmung durchgeführt hatte. Der geringe Umfang der Aufsammlungen zusammen mit der bestehenden Unsicherheit bezüglich ihres Alters läßt die Gewinnung paläozoologischer Resultate nicht erwarten. Der Zweck der Bestimmung kann im wesentlichen nur ein stratigraphischer sein, zumal die Aufsammlungen einen vorläufigen Charakter tragen. Die vorliegenden Arten wurden durchweg nur in wenigen Stücken gefunden; sie zeigen, daß hier eine wohl mannigfaltige Korallenfauna vorliegt, sie geben von dieser aber nur sozusagen eine Kostprobe. Wenn diese stratigraphisch und paläogeographisch ausgewertet werden soll, so kann das nur auf Grund einer eingehenden und möglichst sorgfältigen Bearbeitung geschehen, und von diesem Gesichtspunkt aus rechtfertigt sich vielleicht eine Beschreibung der bisher vorliegenden kleinen Fauna, für die sonst die Nachsicht der Fachgenossen erbeten werden muß. Disphyllum (Phacellophyllum) trigemme (QUENSTEDT) var. Taf. 2, Fig. 1, 2. Die für die Altersdeutung unserer Fauna wohl wichtigste Art sei in der Beschreibung vorangestellt, zumal sie allein in etwas größerer Zahl zur Verfügung steht. Unsere Form liegt in 6-7 Gesteinsstücken und 3 Schliffen vor, scheint also in den Fundschichten nicht selten zu sein. Es handelt sich um grade oder schwach gekrümmte, lang zylindrische Äste von 4-6 mm Durchmesser und rundem Querschnitt, von denen unter sehr steilem Winkel (70-80°) andere als Knospen abgehen. Von den 38-42 Septen erreichen auch die 1 Ordnung nicht die Mitte des Kelches, sondern haben nur 1/2-2/3 des Radius an Länge; dabei können sie ganz leicht umeinander gedreht sein. Die Septen II sind etwa halb so lang. Zuweilen sind die Blätter der Septen ganz schwach hin- und hergeknickt, als wollten sie Septalleisten tragen. Sehr bezeichnend ist das Fehlen einer eigentlichen Theka. Wenn man von einer solchen sprechen will, so liegt sie etwas innerhalb der äußeren Endigungen der Septen; diese ragen also als Rippen noch etwas über die Theka hervor, ein für Rugose ganz ungewöhnliches Verhalten, auf das weiter unten näher eingegangen werden soll. Eine Epithek ist nicht beobachtet auch wohl nicht vorhanden. ...