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Gab es rüsseltragende Dinosaurier?

Wilfarth, Martin

Kurzfassung

Die durchschnittliche Reptilienschnauze, wie wir sie von Krokodil oder Eidechse kennen, gibt uns keine besonderen Probleme auf. Auch die Schnauzen der Saurischier, z.B. die eines theropoden Dinosauriers wie etwa Antrodemus oder Tyrannosaurus, sind uns ohne weiteres verständlich. Die Prämaxillaria und Maxillaria sind hier in üblicher Weise von den Oberlippen bedeckt und die Nasalia sind in gewohnter Weise an der Bildung der Nasenlöcher beteiligt. Weit schwieriger liegen die Dinge bei den Ornithischiern, und unter diesen stellen uns die Hadrosauridae (= Trachodontidae) vor bisher unlösbare Rätsel. Ein Blick auf Taf. 3 zeigt das Absonderliche dieser oberkretazischen Dinosaurierfamilie. (Diese Tafel ist ständig zu vergleichen. Ohne ihre Hilfe würden die folgenden Ausführungen schwer verständlich sein.) Wir sehen bei dieser Familie die Prämaxillaria zu Entenschnäbeln verbreitert oder nach hinten in ungewöhnlicher Weise verlängert, die Nasalia zu Höckern, Hörnern, Kämmen oder gar zu einem riesigen Auswuchs wie bei Parasaurolophus ausgezogen. Es ist auf die Dauer nicht möglich, diese grotesken Gestaltungen als bloße Kuriositäten zu nehmen und sich dabei zu beruhigen. Die Frage ,Wozu?" wird nicht verstummen. Sie wäre sicherlich schon viel öfter gestellt worden, wenn diese merkwürdigen Gestalten aus der Familie der Hadrosauridae in weiteren Kreisen bekannt geworden wären. Die meisten dieser bizarren Typen sind erst nach dem Weltkriege in den Badlands Canadas gefunden worden. Sie wurden z. T. in Zeitschriften beschrieben, die in Deutschland nur wenig gelesen werden, teilweise im Leihverkehr nicht erhältlich sind. NOPCSA und ABEL können das Verdienst in Anspruch nehmen, diese erstaunlichen Schöpfungen der Natur dem deutschen Leser vorgeführt zu haben. ABEL (1924) hat die in Rede stehenden Schädelauswüchse als Angriffs- und Verteidigungswaffen gedeutet, die hauptsächlich bei den Paarungskämpfen zur Geltung gekommen wären. NOPCSA (1929) sah sie als sekundäre Geschlechtsmerkmale an. Es ist jedoch schwer verständlich, warum und wieso gerade die Nasenbeine zu Waffen hätten umgeformt werden können.