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Gemeinschaftsarbeit und wissenschaftliche Berichterstattung

Beurlen, Karl

Kurzfassung

In einem der vorhergehenden Hefte dieser Zeitschrift ist die Frage der Gemeinschafts- und Planarbeit bei der geologischen und paläontologischen Forschung besprochen worden. Die beiden Begriffe Gemeinschaftsarbeit und Planarbeit gehören im Bereich wissenschaftlicher Forschung aufs allerengste zusammen. Denn jedes gemeinschaftliche Angehen größerer Probleme bedeutet ja gleichzeitig, daß dieselben unter Vermeidung aller Doppelarbeit oder unabhängig voneinander verlaufender Nebeneinanderarbeit planmäßig angefaßt werden. Der Sinn solcher Planung und Gemeinschaftsarbeit ist es, alle Kräfte möglichst fruchtbar und ökonomisch einzusetzen. Zwangsläufig ist solches Vorgehen daher überall da geboten, wo es sich darum handelt, größere Probleme oder Aufgaben bei einem in irgendeiner Form beschränkten Kreis von Mitarbeitern in Angriff zu nehmen und zu klären. Planmäßige Gemeinschaftsarbeit war daher schon immer die normale Form wissenschaftlicher Forschungsarbeit bei Expeditionen und ähnlichen Aufgaben. In einer ganz ähnlichen Lage wie der Forscherkreis einer Expedition steht heute die Gesamtheit der deutschen geologischen Forschung: Auf der einen Seite stehen vor ihr große Aufgaben, die sie aus eigener Kraft zu lösen hat, auf der anderen Seite ist der Kreis der deutschen Geologen und insbesondere auch die Menge des Nachwuchses im Verhältnis zur Größe der Aufgabe beschränkt. Planmäßigkeit und Gemeinschaftlichkeit des Vorgehens, d.h. sparsames Haushalten mit den Kräften, ist daher unerläßliche Voraussetzung, wenn diese Aufgaben erfüllt werden sollen. Die Formen, in denen sich Planung und Gemeinschaftsarbeit in einem so weiten Rahmen abspielen, müssen naturgemäß andere sein als in dem engen Rahmen z. B. einer Expeditionsgemeinschaft. Wenn sich dort bei dem steten Zusammensein des nur kleinen Kreises und den stets möglichen Aussprachen die Planmäßigkeit des gemeinsamen aufeinander sich einspielenden Vorgehens zwangsläufig und ohne die Notwendigkeit zu weitergehender Organisation ergibt, so ist das in einem zahlenmäßig so großen und über ein weites Gebiet verteilten Rahmen, wie der Gesamtheit der deutschen Geologen nicht möglich. ...