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Die Vegetationsentwicklung des Interglazials von Lehringen

Rein, Ulrich

Kurzfassung

Im südwestlichen Teil der Lüneburger Heide liegt zwischen Nedden-Averbergen und Lehringen (Meßtischblatt Kirchboitzen) 400 m südlich der Straße eine Grube, aus der Süßwasserkalkmergel gefördert wird. Die Grube erstreckt sich in einer Länge von 70 m und einer Breite von 25 m von W nach O. Am Ostrande der Grube lag folgendes Profil vor: 0,40 m feiner, grauer Sand mit Bleichsandzone; 0,50 m heilerer, gelbgrauer, ungeschichteter Sand mit Kiesen und Geschieben; 1,10 m dunkler, braunschwarzer, stark zersetzter Flachmoortorf; 8,00 m dunkler, blau-dunkelgrauer Süßwasserkalkmergel. Im November 1936 wurden unter der Leitung von Prof. Dr. P. WOLDSTEDT 100 Proben aus dem Kalkmergel-Torfprofil genommen und vom Verfasser pollenanalytisch untersucht. In der vorliegenden Mitteilung soll nur eine vorläufige Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich der klimatischen und vegetativen Entwicklung des Interglazials gegeben werden, während die genauere Betrachtung und vor allem die stratigraphische Einordnung der Ablagerung einer Abhandlung in größerem Rahmen vorbehalten sind, in der auch weitere pollenanalytisch untersuchte Interglaziale Nordwestdeutschlands beschrieben werden. So stellt das Diagramm (Abb. 1) zwar nur einen Abriß der eigentlichen Entwicklung dar, aber die 17 ausgewählten und zur Darstellung gebrachten Proben sind so charakteristisch in der prozentualen Zusammensetzung der Baumpollen, daß sich mit ihrer Hilfe die sechs aufeinanderfolgenden Vegetationsphasen klar unterscheiden lassen: 0,00-0,42 m Abies-Pinus-Phase kalt-feucht; 0,42-1,20 m Picea-Phase kühl-feucht; 1,20-1,95 m Carpinus-Phase warm-feucht; 1,95-5,30 m Eichenmischwald-Phase wärmer-feucht; 5,30-7,50 m Alnus-Pinus-EMW-Phase warm-trocken; 7,50-9,10 m Pinus-(Betula)-Phase kühl-trocken. Von den bei der Untersuchung bestimmten Pollen sind in dem voräzugsdiagramm außer den B.P. nur Corylus, Ericaceae und Sphagnumsporen eingezeichnet worden.