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Über Grundlawinen

Kraus, Ernst

Kurzfassung

Zusammenfassung der Ergebnisse: 1. Die Grundlawine läßt ein Reife-, ein Auslösungs- und Sturzstadium, sowie ein Hemmungsstadium erkennen. 2. Die Reife vollzieht sich mit der Schneediagenese, welche ein allgemeines Drucksystem an den Berghängen gegen abwärts zur Folge hat. Es ist eine Hauptvorbedingung der Grundlawinen. 3. Bevorzugt sind dabei flache Hangrinnen, an denen dickerer Schnee und mehr Schmelzwasser die Hangreibung des Schnees rascher zu überwinden erlauben. 4. Erscheinungen und Folgen der sich abreißenden und zusammenhiebenden Schneebretter, die bereits randliche Schubflächen zeigen können, werden beschrieben. 5. Nach warmen Wintern wird die Grasnarbe der Wiesen und Weiden besonders scharf angerissen, was für Bodenform und Wirtschaft schwerwiegende Folgen hat. 6. Ein Hauptteil des Schnees verläßt die Lias - Fleckenmergelhänge durch Abrutschen. 7. Aus mitgeteilten Beispielen ergibt sich erst ein schneebrettartiges Abgleiten, dann ein Rollen und Wirbeln der sich ballenden Massen, wobei die vorausgeeilten oft in Löchern oder vor Hindernissen gehemmt werden, diese dadurch ausgleichen und so von der nachrückenden Masse in dem ausgeglichenen Strombett um so rascher gleitend überholt werden. Oft muß die Masse mehrerer vorangehender Lawinen zur Glättung der Bahn für die Hauptgrundlawine des Frühlings verwendet werden. Diese gleitet auf glatter Fläche dahin, nur von kollernden Schneebrocken bedeckt. 8. Das Lawinenhafte, mit dem die Wucht auch noch weit unter dem Hauptnährgebiet anwächst, beruht demnach überwiegend auf der während der Bewegung sich vermindernden Reibung, verbunden mit der wachsenden Fallgeschwindigkeit. 9. Die Schneegerölle zeigen Eisrinden, welche wahrscheinlich während der Bewegung durch Regelation entstanden.