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Kegeln, Wilh.

Kurzfassung

Wenn man in den Berichten über die ersten Internationalen Geologenkongresse blättert, so findet man, daß damals außer vorwiegend technischen Fragen der Nomenklatur und der graphischen Darstellung geologischer Gegenstände im Vordergrund standen: 1. Die Grenzen und wesentlichen Kennzeichen der Formationen; 2. Die Bedeutung der Faunen und Floren für die Abgrenzung stratigraphischer Einheiten. Seitdem sind diese Fragen aus der Erörterung dieser Kongresse nicht mehr verschwunden. Das Ziel jedoch, eine einheitliche Auffassung der stratigraphischen Grenzen herunter bis etwa zur Stufe, ist bis heute erst unvollständig verwirklicht worden. In den sechs Jahrzehnten des Bestehens dieser Kongresse hat sich ihr Aufgabengebiet so umfassend gesteigert, daß ursprünglich im Vordergrund stehende Fragen allmählich zurückgedrängt worden sind. Inzwischen ist die Bearbeitung stratigraphischer Fragen von Sondervereinigungen aufgegriffen worden, wie z. B. den Heerlener Karbonkongressen. Bei diesen hat gerade die vergleichende Stratigraphie im Vordergrund der Erörterung gestanden, und für die Vereinheitlichung der Karbon-Stratigraphie sind dabei wesentliche Fortschritte erzielt worden. Daß eine einheitliche Definition der stratigraphischen Begriffe wünschenswert und notwendig ist, wird nicht ernsthaft bestritten werden. Man denke z. B. an die verschiedenartige Umgrenzung, welche die drei Hauptabteilungen der Jura-Formation auch heute noch in verschiedenen Ländern Europas erfahren. Oder man denke daran, wie verschiedenartig bei uns z. B. die Gliederung der Trias gehandhabt wird. Solange aber keine nicht weiter erörterungsbedürftige Festlegung der Grenzen erfolgt ist, bedeutet der gegenwärtige Zustand eine Belastung des Schrifttums und jeglicher auf stratigraphischen Ergebnissen aufbauender Arbeit. Muß doch bei genauerer Darstellung dem stratigraphischen Begriff häufig der Autor und meistens auch die Jahreszahl hinzugefügt werden! ...