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Zur Kenntnis der oberpliocänen echten Hirsche

DIETRICH, W. O.

Kurzfassung

Hirschreste sind in deutschen Pliocänablagerungen selten. Herrn Dr. H. RÜHLE v. LILIENSTERN in Bedheim (Hildburghausen Land) verdanke ich die Kenntnis eines solchen Restes aus dem Kies von Jüchsen (Blatt Rentwertshausen, Lief. 56 der Geologischen Karte von Preußen usw.). Von dorther kennt man bisher nur Mastodon- und Rhinoceros-Zähnel Deswegen sei der neue, im Heimatmuseum in Bedheim aufbewahrte Fund seiner Bedeutung nach beschrieben. Es handelt sich um den schädelechten Geweihstumpf von der rechten Seite, und zwar liegt ein starkes, ausgereiftes Geweih eines zweifellos älteren Hirsches vor. Vom Dach der Augenhöhle und der Rinne des For. supraorbitale ist gerade noch ein Stückchen erhalten. Auf dem ziemlich langen Rosenstock sitzt eine grob geperlte, fast kreisförmige Rose. Die kurze, gut gefurchte Stange darüber gabelt sich in ca. 54 mm Abstand über der Rose (außen gemessen); erhalten ist die tiefste Stelle der Gabel; die beiden Gabelsprossen sind am Grund abgebrochen. Die Abbruchstellen sind nicht ganz gleich, die vordere ist etwas größer als die hintere. Dies weist aber nicht notwendig auf verschieden starke Gabeläste, die cylindrisch waren, hin. Man erkennt weiter, daß beide Äste steil aus der Stange herauskommen und einen spitzen Gabelwinkel einschließen, den die Rosenstockachse ungefähr halbiert. Länge und Richtung der Gabelsprossen kann nur gemutmaßt werden. Sehr lang können die Sprossen nicht gewesen sein. Es handelt sich also wahrscheinlich um einen Gabler. Aber alles deutet darauf hin, daß daraus im nächsten Stadium ein Sechsergeweih werden konnte. Deswegen ist es richtiger, die Vordersprosse als Augsprosse und die hintere als Stange zu bezeichnen. Die Stange konnte mindestens noch eine Gabel, aber keine Krone bilden. Sei dem, wie ihm wolle, wir haben ein Geweih mit verhältnismäßig hochsitzender Augsprosse und einen hohen Rosenstock, zwei Merkmale, die schon einen altertümlichen Hirsch kennzeichnen. Der Rosenstock stand zudem in transversaler Richtung steil, in sagittaler ziemlich stark rückwärts geneigt