Original paper

Das ,Arveraensis-Pliozän" in Niederhessen

BLANCKENHORN, MAX

Kurzfassung

Bei der vorletzten Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1936 in Kassel hat KLÜPFEL (Gießen) einen Lehrausflug in die Niederhessische Senke geführt. Da es sich um mein langjähriges Arbeits- und Kartierungsgebiet handelt und KLÜPFEL ZU Ergebnissen kam, die meinen Aufnahmen und Erfahrungen widersprechen, möchte ich zu seinem Bericht ,Erörterung über das Pliozän und Versuch einer Neugliederung der pliozänen Ablagerungen" Stellung nehmen, nachdem GRUPE in der Veröffentlichung seines Vortrages ,Über das hessische Pliozän und die Altersfrage der Basalte" (diese Zeitschrift 88, S. 634) bereits zu Worte gekommen ist. Eine größere umfassende Abhandlung über ,das Pliocän im Flußgebiete der Streu, Fulda und Schwalm" ist in Vorbereitung und soll in den Abhandlungen der Preuß. Geol. Landesanstalt erscheinen, aber auch die Leser dieser Zeitschrift werden von mir eine kurze Besprechung der zur Diskussion gestellten Fragen bezüglich des Pliozäns, wenigstens speziell des Lehrausfluggebiets auf den Blättern Borken, Homberg a. d. Efze, Ziegenhain und Schwarzenborn erwarten. Ein längeres Ausbleiben einer Stellungnahme durch mich könnte als Zustimmung meinerseits aufgefaßt werden und wäre besonders auch in bezug auf die Talgeschichte und Morphologie der hessischen Landschaft bedauerlich, da meiner Meinung nach verkehrte Anschauungen Platz greifen könnten. Ich selbst habe seit dem Lehrausflug noch einmal eine mehrtägige Begehung aller von KLÜPFEL gezeigten und erklärten Aufschlüsse vorgenommen, sie nachgeprüft und glaube nunmehr imstande zu sein, die wichtigsten Punkte in KLÜPFEL'S System widerlegen zu können. KLÜPFEL geht aus von dem Aufbau des plateauförmigen Landrückens zwischen dem untern Efzetal und Jordantal (Blatt Homberg a. E.), der besonders einleuchtend in den zwei großen Ton- und Sandgruben der Deichmannschen Ziegelei im S von Lembach, sowie auch in der Doppelgrube im SW von Berge aufgeschlossen ist. Ganz klar unterscheiden wir hier von unten nach oben 3 Schichtengruppen: einen blaugrauen bis weißen, auch bunten, z. T. sandigen, z. T. fetten Ton, mindestens 5-6 m, dann 10-15 m weißliche gestreifte Sande und Grande mit deutlicher Kreuzschichtung, endlich noch etwa 7 m rotbraune Tone, eisenschüssige Sandsteine und Rötelschiefer. ...