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Zur Phosphatfrage in der Ostmark

SCHADLER, JOSEF

Kurzfassung

1. Geschichtliches: Vor dem Weltkrieg 1914/18 gab es im Gebiet der heutigen Ostmark weder eine eigene Phosphatgewinnung noch eine planmäßige Nachsuche nach diesem Rohstoff. Es waren einzelne Fundstellen von Phosphatmineralien (Apatit, Lazulith, Vivianit u. a.) bekannt (1), auch von einem Vorkommen von Phosphoritknollen im Hangenden der Braunkohle des Lavant-Tals in Kärnten wußte man (2). Der Bedarf an Rohphosphaten wurde, wie auch heute noch, völlig durch Einfuhr gedeckt. In den Kriegsjahren 1914/18 lenkte der Administrationsrat des Ackerbauministeriums in Wien, Dr. R. WILLNER die Aufmerksamkeit seines Amtes auf das Vorkommen von Knochenanhäufungen in Höhlen, sowie auf die Tatsache einer Anreicherung an Phosphorsäure in manchen Höhlenerden (3). Durch Gesetz vom 21. April 1918 wurde die Gewinnung phosphorsäurehältiger Stoffe (in Höhlen abgelagerter Stoffe, dann Phosphatvorkommen jeder Art) im alten Österreich dem Staate vorbehalten (österreichisches Phosphatgesetz). Gleichzeitig setzte eine staatliche Erforschung der Phosphatablagerungen in Höhlen ein, die anfangs von der staatlichen Kommission, später seitens des von Prof. Dr. G. KYRLE geleiteten speläologischen Instituts durchgeführt wurde. Es gelang eine ganze Reihe, allerdings meist kleiner Phosphaterde-Vorkommen in den alpinen Höhlen aufzufinden und die wissenschaftlichen Fragestellungen im wesentlichen zu lösen (4, 5, 6, 7). Am bedeutendsten war die Ablagerung der Drachenhöhle bei Mixnitz in Steiermark. Sie wurde in den Jahren 1920-1923 bergmännisch abgebaut und aus ihr 21 400 t Phosphatdünger mit 13,4 v.H. P2O5 gewonnen (8). Damit waren zunächst die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Höhlenphosphatgewinnung erschöpft. Die kleineren Vorkommen, deren Gesamtinhalt an P2O5 auf 700-1000 t geschätzt wurde, blieben unabgebaut (9). Eine neue Anregung erfuhr die Phosphatforschung im Jahre 1932 durch den Nachweis des Vorkommens von Phosphorit im Tertiär Oberösterreichs (10, 11). Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, gemäß des Phosphatgesetzes allein über Phosphoritvorkommen verfügungsberechtigt, ließ die neuen Vorkommen geologisch untersuchen und bergmännisch aufschließen. ...