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Bau und Entstehung des Oderwaldsattels

Carlé, Walter

Kurzfassung

I. Fragestellung: Durch zwei Besonderheiten unterscheidet sich der Oderwaldsattel von anderen saxonischen Sätteln, aus denen die Klärung seines inneren Baues und die daraus abzulesende Entstehungsweise des ganzen Gebildes besonders wünschenswert ist. Die breite, ovale Form vor allem des nördlichen Kreidegewölbes läßt Zweifel darüber aufkommen, ob der Sattel wirklich durch seitlichen Druck gebildet worden ist; jedenfalls läßt sie auch die Vorstellung zu, daß vertikale Kräfte die Kruste aufgewölbt haben könnten. Diese erste und hauptsächlichste Frage wird durch eine genaue Aufnahme aller tektonischen Formen gelöst werden können. Besonders auffallend ist weiterhin das eggische Streichen des Sattels, der somit aus dem Rahmen des sonst in herzynischer und rheinischer Richtung gestörten Gebietes fällt. Zur Erklärung dieser Tatsache müssen wir über das engere untersuchte Gebiet hinausgreifen, und es wird sich zeigen, ob der Erforschungsgrad dieses weiteren saxonischen Bereiches schon soweit fortgeschritten ist, daß eine befriedigende Lösung gefunden werden kann. Herr Prof. Dr. R. Brinkmann gewährte mir seinerzeit freundlicherweise den zur Untersuchung des Oderwaldes nötigen Geländeurlaub, wofür ich ihm an dieser Stelle herzlich danken möchte. II. Der Bau Großformen. Der 22 km lange Oderwaldsattel ist ziemlich regelmäßig gebaut; das umlaufende Streichen tritt sowohl an seinem Südende bei Schiaden, als auch an seinem Nordende bei Broitzem landschaftlich stark in Erscheinung. Der Sattel ist in zwei Sondergewölbe gegliedert, in das südliche Burgdorfer und das nördliche Thieder Gewölbe. Als tiefste Schicht erkennen wir im Kern des schmäleren Burgdorfer Gewölbes Hilssandstein; ob noch ältere Schichten unter der Lößdecke verborgen liegen, ist ungewiß. Blickt man von den Sattelflanken in den Burgdorfer Kessel hinab, so läßt sich eine gewisse Ähnlichkeit desselben mit ebenen Landschaften über Salzstöcken nicht verhehlen.