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Zur Geschichte der Ostalpentektonik.

SCHWINNER, R.

Kurzfassung

Das Verständnis des Gebirgsbaues in den Ostalpen entwickelte sich von 1862 (Abschluß der 1. geologischen Landesaufnahme) bis 1903 bei den Feldgeologen langsam, aber zufriedenstellend. Theorien von EDUARD SUESS konnten nach lebhaften Diskussionen mit entsprechenden Richtigstellungen eingeordnet werden. 1903 (Int. Geologenkongreß in Wien) kam überfallsartig eine Anschauungsweise zur Geltung (Nappismus = Deckentheorie, durch den Franzosen TERMIER auf die Ostalpen angewendet), welche z.T. die ursprünglichen Lehren von SUESS wieder aufnahm, und weit überbot. (Danach sollten z. B. die Nordalpen etwa von der Drau über die Zentralalpen 100-150 km weit herübergeschoben worden sein.) Die Bilanz des letzten Menschenalters, seit 1903, zeigt, daß diese Lehre über ihren anfänglichen Blenderfolg hinaus nichts Nützliches zu leisten vermochte. Es ist nun Aufgabe der im neuen Reich vereinigten deutschen Geologen, unter Abkehr von diesen Einflüssen die Lehre vom Gebirgsbau der Ostalpen neu aufzubauen.