Original paper

Die venezolanischen Inseln Las Aves, Los Roques, Las Orchilas und die Phosphoritlagerstätte von Gran Roque

Rost, M.

Kurzfassung

Nach dem vorliegenden Befund ist eine gewisse geologische Verwandtschaft der holländischen und venezolanischen Inseln unter dem Winde wohl nicht ohne weiteres vor der Hand liegend, doch wahrscheinlich. Von Aruba her über Curaçao und Bonaire setzt die ältere Diabasformation, mit einer Lücke auf den wahrscheinlich tiefer fundierten Aves, auf den Roques und der Orchila fort. Außerdem scheint der Quarzdiorit von Aruba nach äußerlichen Merkmalen mit dem sauren Magmaglied vom Berge ,Federación" der Orchila zu korrespondieren. Wie dort durchsetzen auch auf den Roques und auf der Orchila helle und vermutlich quarzdioritische Gänge und Lager die Diabasmassen. Irgendwelche ältere Sedimente, etwa solche cretacischen oder tertiären Alters, wie sie K. MARTIN, K. KEILHACK und G. J. H. MOLENGRAAFF von Curaçao und L. M. R. RUTTEN nach den Aufnahmen P. J. PIJPERS von Bonaire beschreiben, sind auf den venezolanischen Inseln nicht anzutreffen. Danach ist hier, wie anders für die Möglichkeit eines strukturellen Vergleichs nützlich gewesen wäre, auch keine der Faltungsachsen aufzuspüren gewesen, wie sie G. J. H. MOLENGRAAFF für verschiedenes jüngeres Alter von den holländischen Inseln beschreibt und auf seinen Karten zum Ausdruck bringt. Erst eine junge quartäre Erhebung, die auf allen den genannten Inseln ein vermutlich holocänes Riffkalkplateau über den Meeresspiegel hinauserhob, kann wahrscheinlich als ein Erscheinungssymptom einer für die Inseln gemeinsamen, und zwar epirogenetischen Erhebung aufgefaßt werden. Petrographisch ist die Orchila noch ein besonderes Glied in der Kette, indem hier Kristalline Schiefer auftreten, wie wir sie in diesen Gebieten sonst nur vom Karibischen Küstengebirge Nordvenezuelas her kennen. Ihr Streichen ist etwa WzN, paßt sich also dem Streichen der karibischen Ketten sehr gut an. Auch die tektonischen Bruchstrukturen haben Ähnlichkeit. Wie die Karibische Kette, von Puerto Cabello aus östlich, ein hartes Absinken ihres Nordflügels in die Tiefen des Karibischen Meeres erfahren hat, so brechen die Gebirge der Roques und der Orchila auffallend ebenfalls nach Norden in dieses Meer hin ab. Man möchte hiernach fast zur Annahme des Vorhandenseins eines großangelegten ,Staffelbruchs" kommen, innerhalb welchen hypothetischen Zusammenhangs die Spitzenerhebungen der Inseln für ihre Gebirgskette prinzipiell in Wiederholung keine anderen Staffelkantenerhebungen wären, als wie sie die nördlichen Bergspitzen des Küstenkordillerenkamms für die Stufe dieses Gebirges sind.