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Der erste Lungenfisch aus dem deutschen Oberkarbon

Rode, K.

Kurzfassung

Das auf T. 18 abgebildete Stück (Fig. 1) stammt aus dem Süßwasserhorizont im Hangenden des Flözes Großathwerk (Westfal A) der Grube Sophia Jakoba in Hückelhoven bei Erkelenz. Es wurde dort auf der 600-m-Sohle in einem Streb gefunden und mir von Herrn Markscheider ADRIAN mit der Bitte um Erklärung vorgelegt. Ich sprach es rein morphologisch als Zahn-Platte eines Lungenfisches an. Allerdings hatte weder ich noch eine größere Anzahl zufällig anwesender Herren des Steinkohlenbergbaues ein solches Fossil jemals gesehen. Es ergab sich in der Folgezeit, daß weder in Bochum noch in Heerlen ein Vergleichsstück aus dem westeuropäischen Karbon vorhanden ist, und eine Antrage bei zahlreichen deutschen geologischen Sammlungen hatte darüber hinaus das weitere negative Ergebnis, daß bislang aus dem deutschen Oberkarbon noch kein erkennbarer Rest eines Lungenfisches geborgen wurde. Diese Tatsache rechtfertigt wohl die Veröffentlichung des Einzelfundes und meinen damit bekundeten Wunsch die Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Praxis auf etwaige weitere Funde zu lenken. Unsere Kenntnis karbonischer Lungenfische stützt sich ganz vorwiegend auf das Material aus dem Unterkarbon (oil shale group) nahe Edinburgh und dem Oberkarbon von Northumberland, Staffordshire und Lanarkshire. Es wurde in mehreren zum Teil ausführlichen Veröffentlichungen von BARKAS, HANCOCK und ATTHEY bearbeitet. Die Zahl der zunächst aufgestellten Arten erfuhr durch WOODWARD in seinem Katalogwerk (hier vollständige Literatur bis 1890) eine vernünftige Einschränkung, die auch in neuester Zeit WATSON und GILL in ihrer sorgfältigen Revision der englischen und schottischen Funde bestätigten. Sehr zahlreiche Knochen und Zahnplatten von Lungenfischen des böhmischen Unterperm (Kounova) und einzelne aus dem Stephan (Nürscham) hat FRITSCH abgebildet und beschrieben. Aus der neuesten Zeit liegt eine Zusammenfassung über die im großen und ganzen seltenen Funde von Lungenfischen (fast ausschließlich Zahnplatten) aus dem amerikanischen Karbon und Unterperm von ROMER und SMITH vor. Damit ist aber auch bereits der Überblick über das für unser Stück belangvolle Schrifttum vollständig. Das neue Exemplar von Hückelhoven ist in Kohle erhalten bzw. mit einer dünnen kohligen Haut überzogen und in feinschichtigem Brandschiefer eingebettet. ...