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Strukturen deutscher Marmore

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

Zum Zweck einer schärferen Begriffsbildung ist der Ausdruck Marmor von einigen Petrographen auf makroskopisch körnige Kalke beschränkt worden. Es ließ sich ertragen, daß der Trochitenkalk zwar makroskopisch körnig, aber kein Marmor ist. Indessen hat mit dem Marmorgewerbe das Wort Marmor in der deutschen Sprache sich in anderm Sinn so weit durchgesetzt, daß jener Definitionsversuch heute als gescheitert gelten muß. Es heißt wohl in einer Werbeschrift des Zentralverbandes des deutschen Marmorgewerbes: ,Im Gegensatz zum Architekten bezeichnet der Geologe nur den körnigen kristallinen Kalkstein als Marmor." Tatsächlich aber hat schon v. DECHEN 1873 jeden polierfähigen Kalk als Marmor bezeichnet, worin ihm viele Geologen folgten. In ähnlicher Weise liegt bei der Grauwacke ein Fall vor, in dem sich unsere Wissenschaft nicht in einen Gegensatz zum Sprachgebrauch des deutschen Volkes stellen sollte. Praktisch spielen die dichten, als Marmor verschliffenen Kalksteine im Vergleich zu den körnig-kristallinen eine stets zunehmende Rolle. Dauerhaft und schmutzfeindlich soll der Werkstoff sein, auf den Schimmer legt der moderne Mensch weniger Wert. Außer der Haltbarkeit und Dichte haben die Marmore vor den Kunststeinen die Eigenschaft voraus, daß ihre Flächen in harmonischer Weise gegliedert sind. Gewisse Grundzüge des Aufbaues kehren bei Marmoren verschiedener Herkunft und verschiedener Färbung wieder. Nach der Bezeichnungsweise SANDER'S handelt es sich um Anlagerungsgefüge. Morphologischgenetisch sind 7 Gruppen zu unterscheiden: 1. Kristallatgruppe: die Struktur ist durch Kristallisation aus gesättigter Lösung bestimmt, also Sinter- oder Sprudelkalke. Deutsches Beispiel: Böttinger Marmor. In aridem Klima gibt es Onyx-Marmore, Beisp. Usakos, SW.-Afrika. - Zunehmende Einschaltung von Algen und anderen Pflanzen führt zu den Travertinen (die keine Marmore sind). 2. Gerüstfreie Gruppe: Planktogener Kalk ist in der Regel kreidig, seine Diagenese ergibt Schichtfugen oder die Ablösungsflächen der Plänerfazies. Wenn trotzdem Marmore dieser Gruppe Zustandekommen, ist mit bakterieller Verdichtung des frischen Sediments zu rechnen, daher auch keine Verdrückung der Fossilien. Beispiele: Treuchtlingen (Jura) und Schupach (Devon). ...