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Die Heimat Abraham Gottlob Werner's

Berg, G.

Kurzfassung

Wer mit der Bahn von Berlin nach Görlitz oder Liegnitz fährt, durcheilt zwischen Cottbus und Wehrkirch bei Görlitz oder zwischen Sagan und Arnsdorf bei Liegnitz eine außerordentlich eintönige Strecke. Endlose Kiefernwälder auf sandigem Boden, der bald von Zügen hoher Binnenland-Dünen durchzogen ist, bald in weiter unabsehbarer Ebene sich ausdehnt, - die Niederschlesische Heide. Es ist das Gebiet des südlichsten unter den nordostdeutschen Urstromtälern, des Breslau-Magdeburger Tales, an das sich im Norden die Sander jüngerer Vereisung, des Warthe- und Weichselstadiums anschließen, im Süden aber große Schuttkegel, die den Sand und Schotter herzubrachten, der auf den Vorhöhen der Sudeten in der Elstereiszeit abgesetzt wurde (HELPAP 1935, KNOTHE 1925). Die Täler der Lausitzer Neiße, des Queis und des Boberflusses sind mit steilen Erosionsrändern in die Talsandmassen eingeschnitten, die Täler der kleineren Bäche der großen und kleinen Tschirne östlich und des schon zur Spree und Nordsee abfließenden Schöps westlich von der Neiße bilden nur flache Mulden mit sumpfigem humosem und selbst moorigem Boden. Hier wird die melancholische Eintönigkeit des Landes unterbrochen durch Teiche und flache Seen, die oft ganz von Schilf bewachsen sind, und in deren Umkreis Birken und Erlen im Frühling durch frisches Grün, im Herbst durch leuchtendes Gold des Laubes den düstern Föhrenwald in reizvollen Bildern unterbrechen. Mitten in dieser norddeutschen Heidelandschaft liegt bei Wehrau (12 km nordwestlich von Bunzlau) eine auffällige Oase. Wenn man sich ihr von Osten oder Südosten nähert, durchragen im Bunzlauer Forst zahlreiche flache Quadersandsteinhügel oft nur 3-4 m hoch den Diluvialsand, und etwas weiter nördlich in der Kromnitzer Heide, treten Inseln von obersilurischem hellem Kieselschiefer zutage, der vielfach, aber nur selten gut erhaltene Graptolithen geliefert hat. (M. SCHWARZBACH erwähnt 1934 Climacograptus cf. resurectus E. MANCK, und schließt auf unterstes Gotland, vielleicht noch oberstes Ordovizium.) Tritt man aber bei Wehrau an den Rand des tief eingeschnittenen Queistales, so fühlt man sich plötzlich in die Sächsische Schweiz versetzt. Sandsteinfelsen ragen, von Höhlen durchsetzt, bis 25 m hoch senkrecht aus dem grünen Wiesengrund des Tales auf. Schäumend stürzt sich der recht ansehnliche Fluß über eine breite Quarzitbarre, das sog. Teufelswehr, herab. ...