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Verwitterung und Landschaftsentwicklung in der südlichen Frankenalb

Birzer, Friedrich

Kurzfassung

Es wird der Versuch gemacht, die morphologische Entwicklungsgeschichte der südlichen Frankenalb in Zusammenhang mit den zu verschiedenen Zeiten gebildeten Verwitterungsprodukten klarzustellen. Die Verwitterung des Malmkalkes ging vor und nach dem Obermiozän in verschiedenen Richtungen vor sich. Vor dieser Zeit wurden auf ihm nur Roterden gebildet, nachobermiozän nur noch die ,Rendzina-Böden", flachgründige, schwarze Böden, die den Schwarzerden sehr nahe stehen. Die zeitlichen Beziehungen zwischen Rot erde- und Rendzinaverwitterung wurden durch Beobachtung der Verwitterungsprofile auf den Weißjura-Schollen klargelegt, die bei der Ries-Katastrophe herausgeschleudert worden sind. Da die Ries-Explosion erst im Obermiozän stattgefunden hat, können diese Weißjura-Kalke erst seit dieser Zeit der Verwitterung unterliegen. Sie zeigen alle typische Rendzina - Verwitterung, die sich somit als die nachobermiozäne Werviterungsform des Weißjurakalkes darstellt. Nirgends konnte auf den Ries-Schollen auch nur die Spur einer Roterdeverwitterung festgestellt werden. Durch Kartierung der Blätter Greding und Enkering 1:25 000, die einen kleinen Ausschnitt aus der südlichen Frankenalb darstellen, wurden sodann diejenigen Flächen außerhalb des Riesgebietes festgelegt, die ähnliche Rendzina-Verwitterungsprofile zeigen. Diese Flächen können also frühestens im Obermiozän entblößt worden sein. Sie sind im wesentlichen auf die Talränder beschränkt und entstanden, als die Flüse noch im Niveau dieser Flächen lagen und ältere Verwitterungsprodukte abräumten. Dadurch ergibt sich, daß die Täler des Untersuchungsgebietes erst nachobermiozän eingetieft worden sind. Die nicht von Rendzinen eingenommenen Flächen sind mit älteren Verwitterungsprodukten bedeckt: der lehmigen Albüberdeckung, dem sog. Bohnerzieh m. Zunächst wurde dargelegt, daß diese Oberflächen-Überdeckungsgebilde mit den Bohnerzlehmen in den Hohlräumen des Kalkes in innigem Zusammenhang stehen und nur an der Oberfläche nicht mehr die rotbraune Farbe der Karstroterde besitzen, die den Spaltenfüllungen noch eigen ist. Sie sind in junger Zeit durch bodenbildende Vorgänge im Gefolge zeitweilig gestauten Bodenwassers entfärbt worden. In den Lehmen auf der Hochfläche und in den Hohlräumen fanden sich Verkieselungen verschiedener Art: meist bis handflächengroße Platten, deren Fossilinhalt erweist, daß es sich um Reste ehemals anstehenden geschichteten Tithons handelt. Diese Verkieselungen sind, wie durch Kartierung festgestellt wurde, nur in bestimmten Gebieten auf der Hochfläche vorhanden. Sie zeigen somit, wo im Tithon die geschichtete Fazies des Weißen Juras anstand. Wo sie nicht vorhanden sind, war die massige Fazies (Massenkalk und Dolomit) entwickelt. ...