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Bemerkungen zur Tektonik des nachvariscischen Gebirges in Schwaben

Carlé, Walter

Kurzfassung

Die Methodik der Erforschung solcher saxonischer Gebiete, deren Großformen durch Kartierung bereits bekannt sind, beruht zu einem guten Teil auf der Anwendung des SANDER'schen Satzes von der Korrelation des Groß- und Kleingefüges; dabei ist zu bedenken, daß sich manche Kleinformen als Antwort auf grundverschiedene Beanspruchungen herausbilden, weshalb stets neben dem Charakter der Kleintektonik auch der der Großtektonik beachtet werden muß. Auch hat es sich manchmal als notwendig erwiesen, zunächst durch einen einzigen Vorgang erklärte Befunde auf verschiedene Bewegungszeiten aufzuteilen. Württemberg ist seit langem in einer Weise besser erforscht als sonst ein land: weiträumige, oft bruchlose Krustenbewegungen sind aus Schichtlagerungskarten abgelesen worden (vor allem von G. WAGNER 1929). Diese tektonischen Einheiten sind in ihrer mechanischen Deutung noch unsicher; sie müssen aber zur Bruchtektonik in Beziehung gebracht werden, denn ein ohne sie entworfenes tektonisches Bild Süddeutschlands wäre unvollkommen. II. Im folgenden sollen die einzelnen Störungsrichtungen der Bruchtektonik und ihr jeweiliger Charakter besprochen werden. Anfänglich erscheint es recht einfach, die einzelnen Verwerfungen in verschiedene Richtungen einzuordnen. Wir wollen versuchen, mit drei Richtungen auszukommen: herzynisch, rheinisch und schwäbisch. Wo aber sollen ostwestliche Störungen (z. B. die Eberdinger Brüche) eingereiht werden? Gehören 45°-Brüche noch zur rheinischen oder schon zur schwäbischen Richtung; oder soll man sie der sonst gebräuchlichen erzgebirgischen zuweisen? Es ist sehr fraglich, ob man wirklich so scharf zwischen erzgebirgisch und schwäbisch trennen darf, wo doch erstens Übergänge im Streichen bei vielen der PHILIPP'schen Beispiele vorhanden sind (z. B. Faltenjura) und zweitens die schwäbische Richtung auch da und dort im alten variscischen Gebirge zu erkennen ist (z. B. stellenweise im Erzgebirge). Der Begriff ,schwäbisch" ist aber beibehalten worden, weil die 70°-Richtung in unserem Gebiet tatsächlich in einer ausgesprochenen Einheit auftritt. Wohin ist der Schramberger Graben zu stellen? Nach den im mitteldeutschen Saxonikum üblichen Gepflogenheiten wäre er der eggischen Richtung zuzuweisen. ...