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Das geologische Alter der Riffe des Lattengebirges (Süd-Bayern)

Klinghardt, Franz

Kurzfassung

A. Lattenberg: Wie beistehendes Kärtchen (Abb. 1) veranschaulicht, liegt das Lattengobirge südlich von Bad Reichenhall, nahe der früheren Grenze Österreichs. Im nördlichen Lattengebirge befindet sich am nördlichen Lattenberg ein Riff, das zu Ehren des sehr erfahrenen Heimatforschers, Oberlehrer KRÖNNER ,Krönner-Riff" genannt sei. Es wurde vom Leiter des Topographischen Vermessungsamtes Reichenhall, Direktor MORETH, für mich topographisch aufgenommen. Verfasser untersuchte dann Bank für Bank nach Versteinerungen. Die erbeuteten Fossilien befinden sich in der Hauptsammlung des Berliner Geologisch-Palaeontologischen Institutes. Sie wurden durchgeschnitten, auf Hochglanz gebracht, dann bestimmt und katalogisiert. Die Klein-Versteinerungen wurden durch Ausschlämmen gewonnen. Es ergab sich folgende Reihenfolge der Schichten von unten nach oben: I. Übergangsschichten von der Trias zur Kreide: Rosagefärbte, scharfkantige Brocken des weit verbreiteten Grundkonglomerates der Gosau. Bauxit tritt besonders in schmalen Klüften auf. Vereinzelt erscheint in den jüngsten Lagen: Radiolites angeiodes (LAPEIROUSE) LAMARCK. II. Die Nerineen- und Radiolitesangeiodes-Schichten: Die scharfen Kanten der Brocken nehmen rundlichere, knollige Formen an. In feuchtem Zustand haben diese Schichten eine weinrote Farbe. Nerinea bicincta FRIEDR. ZEKELI wird bis 40 cm lang. Nerineen-Trümmer sind äußerst häufig. Radiolites angeiodes (LAPEIROUSE) LAMARCK erreicht hier mehr als Durchschnittsgröße. Sein Doppelkegel (Unter- und Oberschale) ist nicht selten 12 cm hoch. Nerinea bicincta und Radiolites angeiodes sind äußerst dickschalig. Der eben genannte Radiolit wurde bereits 1781 von LAPEIROUSE beschrieben. Da aber viel zu wenig Versteinerungen durchgeschnitten werden, ist sein Bau bisher nicht bekannt geworden. Die Unterschale weist Hohlprismen auf, die von sehr regelmäßigen, relativ großen Poren durchsetzt sind. Eine neue Gefüge-(Struktur-) Art! Die Siphonalzonen sind in der Unterschale halbröhrenförmige Gebilde und keine Bänder, wie in dem grundlegenden Radiolitenwerk von AR. TOUCAS (1903/04 S. 77) angegeben wird. Der Irrtum kommt daher, daß die vorspringenden röhrenartigen, kalkigen Elemente beim Hin- und Herrollen in der Brandung fast stets vernichtet wurden. Im Deckel bilden die Siphonalzonen ebenfalls halbe Röhren, außerdem ist der Deckel von Kalkleisten durchsetzt. ...