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Aufgaben der Geologie von heute in Naturschutz und Landschaftspflege

Ebers, Edith

Kurzfassung

Durch die neue Reichsnaturschutzgesetzgebung haben die schon mehrere Jahrzehnte anhaltenden Bestrebungen die deutsche Natur- und Kulturlandschaft rein zu erhalten und ihre wichtigsten natürlichen Besitztümer von Geschlecht zu Geschlecht weiter zu geben, neue Belebung erfahren. Mehr und mehr zeigt sich, daß bei der Übervölkerung Deutschlands und seiner intensiven technischen Umgestaltung in unseren Tagen, Naturschutz nicht mehr eine Angelegenheit einiger ,ahnungsloser Idealisten" ist, sondern eine gebieterische Notwendigkeit für alle und alles. Wir wollen ja nicht, daß unsere deutsche Landschaft durch uns selbst zur Ruine gemacht werde, daß ihre geographischen Gebilde verstümmelt und den Organismen ihre natürlichen Umweltsbedingungen soweit zerstört werden, daß sie leiblich und, was den Menschen betrifft auch seelisch, verkümmern. In modernen hochzivilisierten Staaten wie Deutschland ist der Schritt aus der Natur- und älteren Kulturlandschaft heraus in eine sterile Maschinenlandschaft hinein sehr leicht getan. Für andere Kulturstaaten, die dünn besiedelt sind und einen reichen Überschuß an Natur- und Urlandschaft noch besitzen, wie etwa die nordischen Staaten, sind solche Probleme weniger brennend, obwohl sogar hier schon allerlei Ansätze zu neuen Bestrebungen zu beobachten sind. Wer sich mit Fragen eines in diesem Sinne modernen Naturschutzes befaßt, wird erkennen, daß, während früher Botanik und Zoologie die Hauptrolle spielten, jetzt vor allen anderen Naturwissenschaften die Geologie anzuhören ist und ihre Ergebnisse miteinzubeziehen sind. Erhaltender Naturschutz beachtet schon lange erdgeschichtliche Naturdenkmale von Seltenheitswert und sucht sie vor Zerstörung zu schützen. Beispiele für solche erdgeschichtlichen Naturdenkmale im engeren Sinn sind etwa Gletscherschliffe, Findlingsblöcke, Felstürme, Vulkankuppen und Maare, Karsthöhlen, ein Quarzgang wie der Pfahl, Felsenmeere, Verwitterungsbildungen wie die Wollsack-Granite der Luisenburg und anderes mehr. Häufig bieten auch erdgeschichtliche Naturdenkmale im weiteren Sinne, also größere, geschlossene geologische Einheiten besonderen und seltene Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren Heimat. Sie stellen Erinneverhalten der Einsatz staatlicher Machtmittel und geologischer Erkenntnis unerläßlich. Die Auswahl des Ortes für die Anlage von Steinbrüchen und Kiesgruben nicht nur nach technischen, sondern auch nach morphologischen Gesichtspunkten gehören zur geologischen Landschaftspflege. Dabei ist aber noch zu beachten, daß gerade die Verwendung landschaftsgebundener Baustoffe für alle Bauten des täglichen Bedarfs angestrebt und vom geologischen Sachverständigen unterstützt werden sollte. ...