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Sedimentäre Kieselgesteine, Hornsteine und das Feuersteinproblem

Kühnel, Johannes

Kurzfassung

In seiner kürzlich erschienenen Abhandlung über ,die Entstehungsgeschichte verschiedener Arten von Kreidefeuersteinen" bezeichnet W. WETZEL (1937, S. 383) die Feuersteinbildung als ,etwas erdgeschichtlich Einmaliges oder doch Besonderes". Diese Sonderstellung, die WETZEL den Feuersteinen damit zuweist, ergibt sich aus seiner Auffassung der primären Feuersteine als frühdiagenetischer, durch Konzentrationswanderung von Kieselsäuresol entstandener, biologisch verursachter Kieselgelabscheidungen. In dieser Auffassung scheint mir jedoch eine Überbewertung des sedimentpetrographisch - mikropaläontologischen Forschungszweiges zu liegen. Diese Überbewertung ist wohl zurückzuführen auf die mangelnde Verbindung zwischen den einzelnen weitverstreuten Vorkommen unserer baltischen Schreibkreide, die die Klärung der Tektonik und damit der faziellen und paläogeographischen Zusammenhänge erschwert, und die trotz einzelner Aufschlüsse, die durch ihre große Ausdehnung andere Untersuchungsarten zu begünstigen scheinen, nicht erlaubt, andere Arbeitsmethoden in gleichem Umfange anzuwenden. Es soll deshalb hier versucht werden, zu den Ergebnissen, die andere Arbeitsmethoden haben könnten, durch eine Betrachtung des Problems in einem weiter gespannten Rahmen zu gelangen. Wir setzen dabei allerdings voraus, daß das Feuersteinproblem nicht ein Sonderproblem ist, unabhängig von der Frage der Entstehungsweise der übrigen sedimentären Kieselgesteine, sondern nur ein Teilproblem. Diese Voraussetzung findet eine Stütze in den Übergängen zwischen Feuersteinen und Hornsteinen (z. B. W. WETZEL 1922, S. 71) und weiterhin in den Übergängen zwischen Hornsteinen, Lyditen (z. B. CORRENS 1924, S. 19), Kieselkalken und Kieselschiefern. Die ,primären" Feuersteine (denn nur diese sollen uns hier beschäftigen) unserer baltischen Oberkreide sind braune bis schwarze Kieselknollen von wechselnder Gestalt, die meist lagenweise auftreten, sich aber zuweilen auch zu Kieselbänken zusammenschließen. Oft erkennt man an ihnen Schichtung. An ihrer Außenseite sind sie vielfach durch eine Rinde von kalkreicherem und kieselsäureärmerem Gestein mit der umgebenden Schreibkreide verbunden. ...