Original paper

Beiträge skandinavischer Leitgeschiebe für die Bestimmung der Vereisungsgrenzen

Milthers, V.

Kurzfassung

Einleitung: Bis in die jüngste Zeit hinein hat man im wesentlichen geglaubt, als primäre Grundlage für die Einteilung und Gliederung der Eiszeit nur zwei Grundelemente gebrauchen zu können: 1. der Terrainverhältnisse und 2. der interglazialen Ablagerungen mit ihrem Inhalt an Pflanzen- und Tierresten. Von diesen beiden Grundelementen muß das letztere entschieden als das wichtigste für die Gliederung selbst betrachtet werden. Für die Einordnung der verschiedenen quartärgeologischen Phänomene in ihre betr. Glazial- bzw. Interglazialzeiten haben danach die Lage, die Landschaftsverhältnisse, die Verwitterung und die stratigraphischen Verhältnisse in Betracht gezogen werden können. Für das skandinavische Vereisungsgebiet haben hier auch die skandinavischen Leitgeschiebe ihren Platz neben anderen sekundären Hilfsmitteln für die Trennung der verschiedenen Eiszeiten gefunden. Die Terrainverhältnisse der Landschaft sind als primärer Faktor im wesentlichen nur für die Trennung der Ablagerungsgebiete der letzten Eiszeit von denen der älteren Eiszeiten in Frage gekommen. Die wesentlichste Bedeutung, die die skandinavischen Leitgeschiebe bis in die jüngste Zeit hinein als primär glazialgeologischer Faktor gehabt haben, hat darin gelegen, daß sie die Richtungen der Eisströme in den verschiedenen Abschnitten der Eiszeit anzeigen konnten. JOHANNES PETERSEN hat das Verdienst, zur Zeit der Jahrhundertwende durch seine Untersuchungen auf Sylt als erster nachgewiesen zu haben, wie variierend die Stromrichtungen des Inlandeises gewesen sind. Im Gegensatz zu diesem Nachweis ist wiederholt die unhaltbare Auffassung vorgebracht, daß die Stromrichtung des Eises in allen Abschnitten der Eiszeit unverändert gewesen ist. Wenn dies der Fall gewesen wäre, würde es doch unverständlich sein, daß in großen Teilen des skandinavischen Vereisungsgebietes Gesteine vorkommen, die aus so weit von einander liegenden Gebieten wie dem südlichen Norwegen, dem zentralen Schweden und den östlichsten Teilen des Baltikums stammen. ...