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Geologische Aufnahme der Alpenrandzone zwischen Berten und Teisendorf in Oberbayern

Schmidt-Thomé, P.; Brinkmann, R.; Carlé, W.; Michelau, P.

Kurzfassung

Vorliegende Untersuchung, deren Hauptaufgabe in der Klärung der Zusammensetzung und des Aufbaus der Flyschzone bestand, hat ergeben, daß der östlichste oberbayrische Flysch, der unmittelbar in den österreichischen Flysch überleitet, die gleichen stratigraphischen und tektonischen Baulemente aufweist wie der Flysch des Westens. Für das Helvetikum ist die große Verbreitung der bunten Leistmergel unter der Flyschbasis bezeichnend, während jüngere Schichten auf den Norden beschränkt sind. In der Flyschzone lassen sich sämtliche im Westen ausgeschiedenen Stufen wiederfinden. Die tektonisch fast völlig unterdrückten Tristelschichten enthalten typische Echinodermenbrekzienbänke. Der Gault weist in seinen tieferen Teilen Konglomerateinschaltungen auf. Kalkige und kieselige Schichten, der ältere Kieselkalk, entwickeln sich im Obergault zu besonders großer Mächtigkeit. Der Reiselsberger Sandstein ist in seinen tiefsten Bänken vielfach grobkörnig entwickelt. Seine Mächtigkeit nimmt von Nord nach Süd bis zu fast völligem Verschwinden ab. Der jüngere Kieselkalk besteht aus einer Mischfazies von Kieselkalk und Zementmergeln. Die Gesteine der Surtal-Serie zeigen in jeder Hinsicht Übereinstimmung mit dem tieferen Gault des Sulzberges. Der äußeren Ähnlichkeit entspricht auch die gleiche Zusammensetzung der schweren Mineralspektren in beiden Serien. Tektonische Schubspäne zwischen Flysch und Helvetikum, die dem Untergrund oder unmittelbaren Nordrand des Flyschtrogs entstammen, finden sich im Achthaler Granit, aber auch an der nördlichen Basis des Sulzberg-Flysch und vielleicht am Nordrand der Surtal-Serie. Für die Entwicklung der oberostalpinen Gesteine ist die Ausbildung des Jura bemerkenswert. Eine scharfe Trennung von Mergel- und Kalkfazies läßt sich ebensowenig durchführen wie eine Scheidung von buntem Lias- und Malmkalk. Geröllführendes Genoman erwies sich als ziemlich verbreitet und konnte durch Fossilfunde nachgewiesen werden. Der tektonische Bau zeigt einige Besonderheiten. Auf dem weit nach Süden vorgreifenden Helvetikum lagert ganz flach der basal stark abgescherte Flysch. Infolge dieser flachen Lagerung greift das Helvetikum in Halbfenstern weit in die Flyschzone ein. Diese zeigt im Norden den Bau einer weitgespannten Deckenmulde. Im Süden stellt sich ein Deckensattel ein, der im ,Sulzberg-Fenster" zu einem helvetischen Deckenfenster geöffnet ist. Flysch und Helvetikum sind also noch gemeinsam verfaltet worden. Die kalkalpine Randzone stößt im Westen bis an den Alpenrand vor und begräbt den gesamten Flysch und vielleicht auch das Helvetikum unter sich Dieses besonders starke Vordrängen äußert sich in einer intensiven Verschuppung der Randzone, die mit dem Abklingen des Vorstoßes im Sulzberg-Gebiet einem normaleren Faltenbau Platz macht. Gleichzeitig wird unter dem zurückweichenden Kalkalpin die Flyschzone frei, deren Bauelemente eines nach dem anderen zum Vorschein kommen. Im östlichen Teil des Kartierungsgebietes hat der Flysch eine beträchtliche Breite erreicht; sie ist von 0 m im Westen auf über 5 km im Osten angewachsen. ...