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Ergebnisse einer Reise nach der Insel Chios

Paeckelmann, Werner

Kurzfassung

I Einleitung: Die dem kleinasiatischen Festlande vorgelagerte griechische Insel Chios spielt für die Kenntnis des Paläozoikums der Ägäis eine besondere Rolle, sowohl hinsichtlich der stratigraphischen Verhältnisse als auch für die Klärung der varistischen Gebirgszusammenhänge. In Verbindung mit meinen Forschungen im Paläozoikum des Bosporus-Gebietes war für mich ein Hinweis von A. KTENAS von Interesse, der auf nahe Beziehungen des Paläozoikums von Chios zum bosporianischen Devon in stratigraphischer und tektonischer Hinsicht aufmerksam machte. Auch nach der Darstellung der westkleinasiatischen Gebirgszusammenhänge durch PHILIPPSON, W. PENCK U. a. ließ sich ein Zusammenhang der bosporianischen Falten mit dem Ostägäischen Faltengebirge PHILIPPSON'S bzw. dem ,Westanatolischen Faltenbündel" W. PENCK'S vermuten. Die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft stellte mir in dankenswerter Weise zweimal die Mittel zu einem Besuch der Insel Chios zur Verfügung. Der erste Versuch, die Insel zu erreichen, scheiterte 1927 infolge meiner Erkrankung in Athen. Unter denkbar günstigen Verhältnissen konnte ich dann im Februar 1928 von Athen aus die Überfahrt nach Chios antreten. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte durch die Deutsche Gesandtschaft in Athen alle Wege geebnet. Durch das Griechische Ministerium des Auswärtigen hatte der Präfekt von Chios die Weisung erhalten, mir die Reise ins Landesinnere zu erleichtern. Die Hilfe von dieser Seite war so tatkräftig, daß ich bereits am Tage nach der Ankunft in Chios mit zwei Maultieren, einem Führer und einem Treiber in den schwer zugänglichen und von der Zivilisation völlig abgeschnittenen Nordwesten der Insel aufbrechen konnte. Herr Professor GEORGALAS hatte für mich in Athen die notwendigen Blätter der Karte von PLASTIRAS im Maßstabe 1:40 000 handschriftlich kopieren lassen, so daß ich über vorzügliches topographisches Material verfügte. ...