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Die Geschichte der geologischen Erforschung der Aachener Steinkohlenbezirke (in kurzen Zügen)

Hahne, C.

Kurzfassung

Wie sich allgemein im menschlichen Leben Glied an Glied zu einer unendlichen Kette fügt, so ist es auch im wissenschaftlichen Leben. Jeder Forscher bauf auf den Schultern seiner Vorgänger. Er kann seine Arbeit nur leisten, wenn er sich des von seinen Vorgängern erworbenen Wissens bedient. Es ist daher reizvoll und belehrend, der Geschichte der Erforschung seines Arbeitsgebietes nachzugehen. Ich habe das darum für den Aachener Bezirk unternommen und betrachte diese Arbeit gleichzeitig als eine Gelegenheit die Verdienste älterer und jüngerer Forscher zu würdigen und ihrer in Dankbarkeit zu gedenken. Der Aachener Steinkohlenbezirk gehört bekanntlich zu den ältesten Bergbaubezirken der Welt. Schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird nachweislich am ,Herzogenrather Kohlberg" gebaut, und eine Urkunde von 1394 bezeugt den Bergbau am ,Eschweiler Kohlberg". Trotz dieses hohen Alters ist die Entwicklung eine sehr langsame gewesen. Das liegt weniger an der Ungunst der geologisch-bergmännischen Verhältnisse als an der wechselvollen politischen Geschichte und der bis in das 19. Jahrhundert hinein herrschenden starken politischen Zersplitterung des Gebietes. Erst die Zusammenfassung der Lagerstätte in größeren leistungsfähigen Gesellschaften leitete eine, wenn auch von Rückschlägen keineswegs freie, Entwicklung ein. Auch die wissenschaftliche Erforschung setzte erst spät ein, wenn auch wie leicht an den alten Bauen festgestellt werden kann, die alten Bergleute ein beneidenswertes, dem Instinkt entspringendes Wissen um ihren Kohlberg gehabt haben müssen. Die ältesten wissenschaftlichen Angaben finden sich in dem berühmten Werk von M. MORAND: ,L'art d'exploiter les mines de charbon de terre" aus dem Jahre 1768. Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind dann besonders die Arbeiten von NÖGGERATH (1814) und von OEYNHAUSEN (1825), die aber noch keine klare Vorstellung von den geologischen Verhältnissen vermitteln, zu erwähnen. Wie phantastisch die Anschauungen damals noch waren, erhellt besonders aus dem Buch von SIMON PETER ERNST: L'histoire de Limbourg. Ernst gehörte dem Kloster Rode le Duc (heute: Rolduc) an. dem damals fast der ganze Herzogenrather Kohlberg gehörte und das der erste Bergbauunternehme größeren Stiles war (GIERLICHS 1937). Trotz dieser stetigen unmittelbare; Anschauung glaubte Ernst noch an ein Nachwachsen der Kohle. ...