Original paper

Über kontravergente Transformation von Faltenzonen im Rheinischen Gebirge

Quiring, Hans

Kurzfassung

Auf tektonische Divergenzen im Rheinischen Gebirge hat zuerst LEPPLA (1924) aufmerksam gemacht. Die kinematische und dynamische Bedeutung seiner Beobachtungen erkannte LEPPLA allerdings nicht. Er hielt die divergente Scheitelung seiner ,Hauptablösungsflächen" im Hochwald und Hunsrück für ,eine Art Muldenachse" (1924 S. 16). BORN (1925) hat die ,Muldenlinie" LEPPLA'S als Achse eines Schieferungsfächers erkannt. Leider haben LEPPLA und BORN den Faltenbau wenig beachtet. LEPPLA war der Ansicht, daß man in den Tonschiefern des Unterdevons Schichtung und Schieferung nicht voneinander unterscheiden könne. BORN war, wie er selbst betonte, zu wenig in der Stratigraphie des Unterdevons bewandert, um die Aufeinanderfolge der Schichten und damit den Faltenbau zu erkennen. Erst die auch tektonische Probleme berücksichtigende fortschreitende Spezialkartierung, die vom Siegerlande ausging, hat darin Wandel geschaffen. Die zur Ausrichtung der Erzkörper und Störungen des Siegerlandes im Unterdevon notwendige stratigraphisch-tektonische Kleinarbeit hatte gezeigt, daß auch in scheinbar ungeschichtetem Tonschiefer eine zarte Bänderung vorhanden ist, die selbst bei stärkster Transversalschieferung die Schichtung verrät. Ferner ergab sich - die Untersuchungen BORNHARDT's und DENCKMANN's waren Vorstufe -, daß ältere Falten sich diagonal mit jüngeren Falten vergitterten. Während die ältere (1. präsideritische) Faltung im Siegerland von keiner zu ihr gehörenden Schieferung gefolgt war, gehörte zur jüngeren Pressung eine Schieferung., Diese Feststellungen waren nur möglich, weil die jüngere Schieferung (Streichen N 55° O bis N 75° O) spitzwinklig die alten Sigambrischen Hauptfalten (Streichen N 35° O bis N 45° O) durchsetzten (Abb. 1). Die Schieferung folgte nicht den Faltenebenen, wie das später als allgemeine These behauptet worden ist (SCHOLTZ 1930, S. 309). Als ich bei der Aufnahme des Blattes Koblenz 1:200 000 den Faltenbau am Mittelrhein untersuchte, erkannte ich das Vorhandensein einer Zone kontravergenten Faltenwurfs zwischen Wittlich und Koblenz (1928). ...