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Zur Stratigraphie des Unterkarbons im Harz

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

Mehrfach schon hat die Harzgeologie Schwierigkeiten und Umwege zu überwinden gehabt, weil die Bearbeiter aus diesem Gebirge allein alle Fragen lösen wollten und vergessen haben, daß sich fast alle Einheiten des Harzes im Rheinischen Schiefergebirge wiederfinden, wo sie räumlich viel übersichtlicher angeordnet und daher leichter zu verstehen sind. In dieser Weise sind neue Deutungen der Unterkarbon-Stratigraphie für den Harz von Schülern KOSSMAT'S versucht worden. Von tektonischen Theorien ausgehend wurden stratigraphische Umdeutungen vorgenommen, die den Fernstehenden verwirren können. Da der Harz zum überwiegenden Teil aus unterkarbonischen Sedimenten besteht, ist deren richtige oder falsche Einfügung für das Gesamtbild der Erdgeschichte des deutschen Bodens keineswegs nebensächlich. Im folgenden soll zunächst das stratigraphische Bild herausgestellt werden, soweit es heute schon klar ist. Danach sind die genannten Fehldeutungen zu besprechen, also was in den Arbeiten von WUGK und THIERBACH teils falsch eingeordnet, teils zu Unrecht dem Unterkarbon zugewiesen wurde. Aus Irrtümern soll dabei gelernt und eine förderlichere Fragestellung gefunden werden. Im nordwestlichen Oberharz ist die Stratigraphie nicht umstritten. Das Oberdevon ist vollständig. Gattendorfia-Kalk ist zwar faunistisch noch nicht nachgewiesen, scheint aber im Innerste-Profil nördlich Lautenthal vorhanden zu sein. Es folgt der ,Liegende Alaunschiefer" mit seinen charakteristischen, an Radiolarien reichen Phosphoritknollen, der eine geringmächtige Vertretung für den Hauptteil der Tournai-Stufe darstellt. Die Lyditstufe ist ungefähr oberes Tournai, die Adinolstufe unteres Vise, beides ist jedoch unmittelbar noch nicht bewiesen. Als Übergang zu den oberviseischen Posidonienschiefern sind WEIGELT's Steigertalschichten anzusehen; sie lassen sich durch Nomismoceras grimmeri, den ich am Bielstein bei Lautenthal fand, an das tiefe III| des Sauerlandes anschließen. Das übrige III| und fast das ganze ß ist als Posidonienschiefer entwickelt und konnte mit Goniatiten eingehend gegliedert werden (KOBOLD 1932). In ß7 (bei KOBOLD |1a) beginnen die Grauwacken, die bis 800 m Mächtigkeit erreichen und zwei Konglomeratzonen einschließen. In das obere III|, die Teilzone des Goniatites schaelkensis, reichen sie nach ihren Goniatiten nicht hinauf. ...