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Das Problem des Deckenbaues im Mittelharz

Zöllich, Martin S.

Kurzfassung

Das Elbingeröder Fenster existiert zwar als solches, kann aber nicht als ein Stück Oberharz angesehen werden, das unter einer großen, weit vorgeschobenen, einheitlichen Unterharzdecke wieder auftaucht (KOSSMAT) vielmehr ergibt sich auf Grund kleintektonisch fundierter Betrachtungen in Verbindung mit Überlegungen paläogeographischer Art, daß diese deckenartigen Bewegungen nicht weit über die heutige Umrandung des Elbingeröder Fensters hinausreichen und daß demgemäß eine einheitliche Unterharzdecke nicht als erwiesen gelten kann. Hierauf wie auf fazielle Beobachtungen innerhalb des Fensters stützt sich die Folgerung, daß die Mittelharzer Eisenerze nur noch in einem ± schmalen Saum rings um das Fenster vorhanden sein dürften, in dessen weiterer Umgebung aber schon primär nicht zur Ablagerung gekommen sind. Auf erdmagnetische Untersuchungen darf in den Fragen der großräumigeren Verbreitung der Erze keine allzu große Hoffnung gesetzt werden. Die beiden im Mittelharz zu unterscheidenden Ausbildungsarten des Kulmkieselschiefers, die Ahrendfeld- und die Büchenberg-Fazies, entsprechen der Lydit- und der Wetzschieferstufe des Oberharzes. Es handelt sich also nicht um zwei gleichaltrige Fazies, sondern um altersverschiedene Stufen innerhalb des Kulmkieselschiefers, die im gleichen Profil übereinander auftreten können. Lediglich durch das Fehlen der Lyditfazies im Elbingeröder Fenster - bis auf die wichtigen, im einzelnen besprochenen Ausnahmen - war die Erklärung als gleichaltrige fazielle Ausbildungen nahegelegt. 1 Die THIERBACH'sche Deutung der wesentlich außerhalb des Elbingeröder Fensters verbreiteten Ahrendfeld-Kieselschiefer (= Lyditfazies) als klippenhafte Reste einer von weither überschobenen Stieger Decke ist aus folgenden Gründen abzulehnen: 1. Die Ahrendfeld-Kieselschiefer stehen in normalem, örtlich als störungslos nachweisbarem Verband mit höheren Schichten des Kulms (Wetzschieferstufe, Kulmtonschiefer und Kulmgrauwacke). Ein solcher normaler Verband ist aber im Südharz, dem angeblichen Herkunftsgebiet der Stieger Decke, nicht bekannt. Bei der Deutung als Decke wären aber umgekehrt die normalen Folgen im Südharz, die stark gestörten in den weitest vorgeschobenen Teilen zu erwarten. 2. Eine örtlich im primären Liegenden der Ahrendfeld-Kieselschiefer erhaltene Gesteinsfolge, die Hüttenröder Schichten, ist zwar den Stieger Schichten des Südharzes in verschiedener Hinsicht vergleichbar, zeigt aber doch gewisse fazielle Abweichungen, die eine völlige Gleichsetzung, wie sie die Annahme einer aus dem Südharz überschobenen Stieger Decke erforderte, nicht zulassen. Andererseits ist ihr Verband mit den Ahrendfeld-Kieselschiefern gesichert, für die also ebenfalls eine Ableitung aus dem Südharz unmöglich ist. 3. Während im Nordteil des Elbingeröder Fensters die Lyditstufe völlig fehlt, stellt sie sich in den weiter südlich gelegenen Teilen (Hüttenrode und Elend) bereits wieder ein. Damit wird in Verbindung mit den oben angeführten Gesichtspunkten eine Herkunft der allochthonen, heute rings um den Nordrand des Fensters verbreiteten Ahrendfeld-Kieselschiefer aus dem Südteil des Elbingeröder Fensters und dem südlich anschließenden Raum wahrscheinlich. ...