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Zur stratigraphischen und tektonischen Stellung der Stieger Schichten im Unterharz

Schriel, Walter

Kurzfassung

1. Die bisherigen Anschauungen über das Alter der Zorger und Stieger Schichten: Auf der LOSSEN'schen Harzkarte ist in der Umrandung der Südharz- und Selkemulde ein mit Diabasen gespickter Zug von Schiefern und Grauwackeneinlagerungen ausgeschieden, dessen Gesteine als Zorger Schichten bezeichnet sind. Auch im Gebiet der Elbingeröder Mulde sind Zorger Schiefer vorhanden. Sie gehören nach LOSSEN zum älteren hercynischen Schiefergebirge, d.h. zum Unterdevon schlechthin. Im Gebiet von Elbingerode wurde durch die Untersuchungen KOCH's das Alter der Zorger Schiefer als größtenteils kulmisch festgelegt. Für die Zorger Schiefer der Südharz- und Selkemulde kam ich bei der Neuaufnahme des Unterharzes zur Auffassung, daß im Gegensatz zur LOSSEN'schen Auffassung der Hauptteil der Zorger Schiefer nicht jünger, sondern alter ist als der Hauptkieselschiefer (= Kulmkieselschiefer) und daß nur ein kleiner Teil der Zorger Schiefer über dem Kieselschiefer läge und als Kulmtonschiefer aufzufassen sei. Diese Darstellung fand auf den Blattern Zorge, Benneckenstein und Hasselfelde ihre Darstellung. Der wesentlichste Teil der Zorger Schiefer LOSSEN'S, der für älter als der Kieselschiefer angesehen wurde, ist bei der Neukartierung unter dem Namen ,Stieger Schichten" zusammengefaßt und mit den in ihnen enthaltenen Keratophyren und Diabasen und deren Tuffen als ein z.T. sedimentäres Aquivalent des Deckdiabases des Lahn-Dillgebietes angesehen. Neue Funde haben es jedoch nötig gemacht, diese Altersansicht zu überprüfen und einer Revision zu unterziehen. Da war vor allem der Fund eines Tentaculites acuanus RICHTER in einer Kalklinse der Stieger Schichten in der Nähe der Tiefenbachmühle (Bl. Benneckenstein). Hierdurch ergab sich zum mindesten, daß die Stieger Schichten kein Unterkarbon sein konnten, sondern älter sein mußten. Am wahrscheinlichsten war ein mitteldevonisches Alter, denn in dieser Stufe kommt Tentaculites acuarius RICHTER am häufigsten vor. Da die Stieger Schichten ihrerseits noch das Untere Mitteldevon von Hasselfelde verschiedentlich überlagern, so müssen sie jünger sein und wahrscheinlich obermitteldevonisches Alter besitzen. Sie würden mithin die Äquivalente gewiser obermitteldevonisches Gesteine von Elbingeronde darstellen. Auch der von LOSSEN erwähnte Fund von Cryphaeus cf. rotundifrons EMR. aus dem Bett des Tostborntales unweit Sülzhayn muß hier erwähnt werden. Nach dem Etikett, das von LOSSEN'S Hand diesem Fundstuck beigegeben ist, wurde es 40 m oberhalb des Annastollens im Bett des WEBERS 1898 in die Hände LOSSEN'S. ...