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Über die Grundlagen einer tektonischen Gliederung des Harzes

Dahlgrün, Fritz

Kurzfassung

Der normale Ablauf der geologischen Erforschung eines Gebirges führt über die Stratigraphie zur Tektonik. In allen komplizierter gebauten Gebieten ist daher der Stand der tektonischen Forschung zum guten Teil abhängig von dem der Stratigraphie. Grundirrtümer in der Altersfolge der Schichten können sich geradezu verhängnisvoll in der Deutung der Tektonik auswirken. So ist es bei den vielen Irrwegen, die die stratigraphische Erforschung des Harzes gegangen ist - ich erinnere nur an die Einordnung der Graptolithenschiefer in das Devon, des Ackerbruchbergquarzits und der Tanner Grauwacke in das Silur usw. usw. - nicht verwunderlich, daß der Harz eigentlich erst in den letzten 20 Jahren in das Stadium einer exakten tektonischen Erforschung eingetreten ist. Dabei sind aber auch heute noch nicht alle stratigraphischen Fragen restlos und befriedigend geklärt. Mit diesen Feststellungen schmälern wir die Verdienste der früheren Forscher keineswegs, und wir schließen an die Worte M. KOCH's an, der in dieser Zeitschrift 1898, S. 27, über LOSSEN und BEYRICH bezüglich ihrer Arbeiten im Harz sagt: ,Wer die Schwierigkeiten kennt, welche das stratigraphisch wie tektonisch verwickelteste unserer Gebirge der Aufklärung entgegenstellt . . ., der wird es verständlich finden, daß unter solchen Umständen auch dem Tüchtigsten Irrtümer nicht erspart bleiben konnten, dem wird es aber auch fernliegen, aus solchen Irrtümern eine herabsetzende Beurteilung jener verdienten Harzforscher herzuleiten. Unsere jetzigen Arbeiten fußen auf denen unserer Vorgänger, und die Fortschritte in der Erkenntnis, welche sich an diese Arbeiten knüpfen, verdanken wir dem Weiterausbau dessen, was jene Männer geschaffen haben." In den folgenden kurzen Ausführugen sollen nur einige grundsätzliche Bemerkungen zu den Augenblicksfragen der Geologie des Harzes gemacht werden, besonders auch bezüglich der Art und des Wesens der Harztektonik. Die letzten Veröffentlichungen KOSSMAT'S, WUGK's und THIERBACH'S, der Vertreter eines extremen Deckenbaues im Harz, haben zwar mannigfache Anregungen gegeben, aber auf der anderen Seite auch viel Widerspruch bei den übrigen Harzgeologen hervorgerufen (SCHRIEL, DAHLGRÜN, ZÖLLICH). ES ist nicht beabsichtigt, an dieser Stelle auf die vielfach unmöglichen Einzeldarstellungen örtlicher Verhältnisse bei THIERBACH und WUGK einzugehen, sondern es sollen nur einige wesentliche Punkte besprochen werden, die für die Deutung der Harztektonik wichtig sind und an den Stand der Forschung, wie er zuletzt auf der Übersichtskarte des Harzes (DAHLGRÜN 1933, Blatt Halberstadt 1:200 000) seinen Niederschlag gefunden hat, anschließen. ...