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Bemerkungen zur Harztektonik

Thierbach, H.

Kurzfassung

Die vorstehenden Aufsätze haben eine Reihe sehr wertvoller Bereicherungen unserer Kenntnisse vom Harz gebracht. Niemand wird dafür dankbarer sein, als der Verfasser der in der Hauptsache angegriffenen Artikel. Gleichzeitig aber hat sich herausgestellt, wieviel Kleinarbeit im Harz, dem bestbekannten der deutschen Mittelgebirge, noch zu leisten ist. Denn wenn die Ansichten über das Alter der einzelnen Schichtglieder, ja über ihre Abgrenzung, noch so weit auseinandergehen - bei aufmerksamem Lesen wird es niemandem entgehen, daß eigentlich jeder Harzgeologe seine eigene Stratigraphie hat -, so wird das auf die tektonische Auffassung nicht ohne Einfluß bleiben. Die Erforschungs- und Deutungsgeschichte anderer Gebirge zeigt ähnliche Gegensätze der Anschauungen, die sich über Jahrzehnte hin fruchtbar erwiesen. Hier ist dann die Anwendung neuer Beobachtungs- und Denkmethoden von entscheidendem Wert. Die Arbeit von ZÖLLICH liegt in dieser Linie und ist darum besonders zu begrüßen. Auf diesem Wege und durch eine Verfeinerung und sichere Fundierung der Stratigraphie (auch die Paläontologie gibt bei den mehrdeutigen Verbandsverhältnissen nicht immer endgültig sichere Resultate), durch neue Kontaktbeobachtungen usw. erfolgt dann der Fortschritt der Erkenntnis; abgeänderte oder gar neue tektonische Auffassungen treten an die Stelle der bisherigen, im vorliegenden Fall also an die Stelle alter tektonischer Auffassungen von SCHRIEL über KOSSMAT bis THIERBACH. Eines sollte jedenfalls stets im Auge behalten werden: Die Tektonik und zugleich ihre geländegeologischen und paläontologischen Grundlagen müssen wieder und wieder überprüft werden, ob sie sich zu einem befriedigenden paläogeographischen Bild zusammenschließen. Denn es genügt nicht, wie ZÖLLICH empfiehlt, stets nur vom Einzelbild zur Synthese zu schreiten. Dafür ist die Möglichkeit, eine geschlossene, lückenlose Serie von unzweideutigen Einzelbeobachtungen zu gewinnen, in einem so schlecht aufgeschlossenen Gebiet wie dem Harz zu gering. ...