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Bodenart und Bodentyp in geologischer Betrachtung

v. Bülow, Kurd

Kurzfassung

Die typologische Bodenkunde STREMME'scher Prägung sieht in den Profilmerkmalen des Bodens das Wesentliche der Beschreibung und Einordnung der Bodentypen. Anläßlich der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft, die den Fragen der Bodenkartierung gewidmet war, formulierte OSTENDORFF diese Auffassung dahin, daß ,Die Bodenerscheinungsformen das eigentliche Wesen des Bodens sind." Es ist selbstverständlich, daß eine derartige Einstellung zum Boden den Geologen nicht befriedigen kann. Der Geologe fragt sich, wie weit Bodenkunde im heutigen Sinne eigentlich noch ,Geologie" ist. Daß die Bodenkunde aus der Geologie herausgewachsen oder mit ihr im gleichen Schrittmaß erwachsen ist, ergibt sich aus der Geschichte dieser Wissenschaft. Der Landwirt THAER legte seiner Einteilung ein rein petrographisches Prinzip zugrunde; der Landwirt ORTH billigte für Klassifizierung und Kartierung der Böden dem geologischen Ausgangsstoff eine ausschlaggebende Rolle zu. Der Geologe und Chemiker STREMME entwickelte einige Jahrzehnte nach ORTH aus der klimatischen Bodenkunde der Russen seine ,Morphologie" der Böden, ausgehend von der Beschreibung des Bodentyps. Die geplante Reichsbodenschätzung benötigte darüber hinaus eine Bewertung der Bodentypen, d. h. eine wertmäßige Beurteilung des Verhältnisses der Bodentypen untereinander. GÖRZ & v. BÜLOW ersetzten nun die Typen durch die Auffassung von den Zustandsstufen, indem sie den Typen eine gewisse Wertigkeit zuwiesen, die sich aus einem angenommenen Entwicklungsgang der mitteleuropäischen Böden ergab. Die Praxis der Bodenschätzung gab dieser Auffassung Recht; Recht gaben ihr auch die auf exakter Grundlage aufbauenden Untersuchungen von LAATSCH. Damit werden die LAATSCH'schen Feststellungen zu einem wissenschaftlichen Fortschritt, der seiner Größenordnung nach nur den Anstößen zu vergleichen ist, die die Bodenkunde THAER, ORTH und STREMME selbst verdankt. Denn LAATSCH beweist die Richtigkeit der Auffassung, daß Bodentyp gleich Entwicklungsstufe zu setzen ist. LAATSCH definiert 1938 den Bodentyp als ,den Neubildungs-, Umformungs- und Verlagerungszustand der kolloiden Bodenbestandteile". Der Fortschritt wird deutlich, wenn man damit die STREMME'sche Definition von 1936 vergleicht: ,Der Bodentyp ist gekennzeichnet durch verschiedene Horizonte, entstanden unter dem Einfluß der Hauptfaktoren der Bodenbildung . . .." Bodentyp ist also gleich Bodenzustand. ...