Original paper

Die Bodenkartierung in Städtebau und Landesplanung erläutert an den Gesamtsiedlungsplänen von Osnabrück und Herford.

Pfannschmidt, Martin

Kurzfassung

In allen Zweigen der nordischen Wissenschaften geht der Weg von einer Aufnahme der Tatbestände zur Wesensforschung, zur Auflösung der Erscheinungen in ursächlich erkannte oder funktionell gedeutete Folgen lebendiger Entwicklung. Die Geologie enträtselt den verwickelten Aufbau der Erdrinde als Ergebnis millionenjähriger Entwicklungskräfte innerhalb und außerhalb des Erdinnern. Als ihre jüngste Tochterwissenschaft erforscht die lebenskundliche Bodenlehre die lebenserfüllte Verwitterungsschicht der Erdrinde in Abhängigkeit von den bodenbildenden Kräften Gestein, Relief, Bodenwasser, Klima, Vegetation, menschlicher Arbeit und Zeit. Wie die Geologie einmalige tektonische Veränderungen der Erdrinde - eines Erdbebens oder eines Vulkanausbruches - in langfristige Bewegungen der Erdkruste einordnet und aus ihnen Rückschlüsse auf vergangene und zukünftige Bewegungen zieht, so erkennt die von H. STREMME, Danzig, vertretene lebenskundliche Bodenlehre aus den jeweiligen Bodenprofilen die bisherige Entwicklung der Böden und stellt weiterhin fest, wie land- und forstwirtschaftliche Kulturen die vorhandene Bodenbeschaffenheit zu ihrem Vorteil oder Nachteil verändern und welche Kulturen für die zukünftige Entwicklung der Böden vorteilhaft sind. Damit wird die Bodenlehre H. STREMME'S als eine totale Wesensschau der lebendigen Kräfte des Bodens neben den Sonderforschungen der Bodenchemie und Bodenphysik für die land- und forstwirtschaftliche Betriebsplanung ebenso unentbehrlich wie für die Landesplanung und Gemeindeplanung bei planmäßiger Festlegung der Bodennutzungen größerer und kleinerer Räume. Eine jede größere Raumplanung, die über den Grund und Boden neu verfügt und ' ihm andere Nutzungen zuweist als bisher, ist bei der außerordentlichen Verschiedenartigkeit der Böden, bei den verwickelten Zusammenhängen ihrer Entstehung und bei der Starrheit überkommener Eigentums- und Nutzungsverhältnisse ein gewagtes Experiment. Geradezu vermessen war es jedoch, daß Planungen städtischer und ländlicher Siedlungen in den letzten Menschenaltern den Grund und Boden gleichsam als luftleeren Raum behandelten und neue Stadterweiterungen ohne Kenntnis seiner besonderen Eignungen nach rein landmesserischen, entwässerungstechnischen, baukünstlerischen und nicht zuletzt bodeuaßfikulativen und machtpolitischen Planungsgrundsätzen durchführten. ...