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Bodenkundliche Kartenwerke der Provinz Hannover

Brüning, Kurt

Kurzfassung

Die Notwendigkeit bodenkundlicher Kartenwerke. Mit dem Jahre 1933 und den Arbeiten zum Neuaufbau des Reiches traten an die Hannoversche Provinzialverwaltung als zusammenfassende Selbstverwaltungskörperschaft zahlreiche Wünsche um Auskünfte über die natürlichen und strukturellen Verhältnisse des Provinzialgebietes. Diese bezogen sich vor allem auf die Notwendigkeit, für das damalige Heer der Arbeitslosen Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und auszuwählen: Neue Verkehrsstraßen, vor allem die Reichsautobahnen, wurden geplant, alte Straßenzüge wurden verbessert, Siedlungen neu geschaffen, Ödland umgewandelt, neue Meliorationsprojekte wurden aufgestellt und alte neu belebt; Standorte für die neu zu schaffenden Industrien im Zuge des Vierjahresplanes, Übungsplätze für sportliche und militärische Zwecke und viele andere Maßnahmen, die einen großen Flächenbedarf hatten, wurden vorbereitet und mußten ausgeführt werden. Wenn auch das niedersächsische Wirtschaftsgebiet, das in der Hauptsache von der Provinz Hannover eingenommen wird, nicht so dicht besiedelt ist, wie etwa der Rheinisch-westfälische oder der Mitteldeutsche Industriebezirk, so ist es doch als uralter germanischer Siedlungsraum und als wichtiges Durchgangsgebiet zwischen Mitteldeutschland, den Hansestädten, Süddeutschland und dem Rheinisch-westfälischen Industriegebiet so dicht mit Anlagen des Verkehrs, der Wirtschaft und der Siedlung durchsetzt, daß freies Land im Überfluß nicht vorhanden ist. Daher war es auch nicht leicht, die neuen z. T. große Flächen beanspruchenden Maßnahmen richtig in das vorhandene Wirtschafts- und Raumbild einzugliedern. Vor allem mußte dabei auch eine Schwächung unserer Ernährungsbasis vermieden und daher auf weitestgehende Schonung der Landwirtschafts- und Forstflächen Bedacht genommen werden. Da aber Ödland auch nicht überall und zudem nur noch in einem verhältnismäßig beschränkten Umfange zur Verfügung steht (vergl. Niedersachsen-Atlas, Oldenburg 1934, Blatt 11 und 12), so mußte versucht werden, für die neuen Anlagen nur den schlechtesten Boden zu opfern und alle großflächigen Projekte möglichst von den guten Böden fernzuhaken. So ergab sich der Zwang, die einzelnen Teile des Bodens in Hinsicht auf ihre natürliche und volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit miteinander in Vergleich zu setzen. Hinreichend genaue Karten dieser Art gab es nicht, denn weder die geologischen Karten 1:25 000 oder 1:200 000, noch sonstige den Boden darstellende Kartenwerke sind für die Gesamtfläche Niedersachsens vorhanden. ...