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Bodenlehre und Bodenschätzung

Stremme, H.

Kurzfassung

In meiner Mitteilung über unsere Danziger geologische und bodenkundliche Landesaufnahme hatte ich der Reichsbodenschätzung einige Worte gewidmet, um den Unterschied von deren Aufnahme gegenüber der unsrigen darzutun. Nachdem E. OSTENDORFF freundlicherweise auf die Einzelheiten der daraufhin erfolgten Erwiderung von GÖRZ & HOCK eingegangen ist, kann ich das Verhältnis der Bodenlehre zur Bodenschätzung im allgemeinen besprechen. Die Bodenlehre wird zumeist als eine junge Wissenschaft angesehen, die Bodenschätzung ist dagegen uralt. Überall und stets wo Landgüter verkauft werden und die staatliche Obrigkeit Grundsteuer einzieht, wird eine Schätzung der Bodengüte vorgenommen, die zumeist mit einer praktischen Aufnahme der morphologischen Bodeneigenschaften verbunden ist. Um das erstrebte objektive Urteil zu gewinnen, muß dabei der Boden in seiner Ganzheit erfaßt werden. Man sollte meinen, daß diese Arbeit die Vertreter der Bodenlehre besonders anzöge. Das ist jedoch fast gar nicht der Fall. Die bodenkundliche Literatur darüber ist im Gegensatz z. B. zu der der chemischen und physikalischen Eigenschaften der Böden überaus dürftig. Andererseits befassen sich mit der Bodenschätzung überwiegend praktische Landwirte und Verwaltungsbeamte. Ich hoffe, daß dieser unhaltbare Zustand sich allmählich durch die Zusammenarbeit der Bodenkundigen und der Bodenschätzer in dem auf meine Veranlassung von C. F. MARBUT 1935 begründeten und seither von mir geleiteten Bonitierungsausschuß der Kommission V der Internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft bessern wird. Bereits auf unserer ersten Spezialbodenkarte von 1916 (1) habe ich die Angaben der Ackerklassen als Ausdruck für die Gesamtheit der Bodeneigenschaften mitverwertet und die Meliorationskarte darauf eingestellt, wie die Ackerklasse zu verbessern sei. Als dann unsere Benennung und Einteilung der Böden mit den großen Bodenkarten des Deutschen Reiches und von Europa fortschritt, habe ich bei der Kartierung die Ziffer der Ackerklasse durch den Bodennamen als Ausdruck für die Ganzheit der Bodeneigenschaften ersetzt, aber außerdem eine Bewertungsziffer für die Bodengüte nach einer hundertteiligen Skala eingeführt, wie sie u. a. A. THAER gebraucht hat. ...