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Beiträge zur Tertiärgliederung in Inneranatolien

Leuchs, Kurt

Kurzfassung

Eine Zusammenfassung der bis dahin erzielten Kenntnisse über Ausbildung und Gliederung der in Kleinasien weit verbreiteten Tertiärschichten gab PHILIPPSON 1918. Nur in einer kleinen Anzahl von Gebieten konnten damals auf Grund von Lagerung und Fossilfunden verschiedene Stufen des Tertiärs ausgeschieden werden. Die Hauptmasse der anatolischen Tertiärschichten aber wurde in zwei Abteilungen gegliedert, nämlich in das ,Gips- und Salzführende fossilleere Obermiocän", bestehend aus mächtigen Reihen roter und bunter Mergel, Letten, Sandsteine und Kieselkalksteine, mit zahlreichen Gipsstöcken und weniger häufigen Steinsalzlagern, sowie in das ,Allgemeine Süßwasserneogen", aus Gesteinen dreier verschiedener Fazies, einer sandig-konglomeratischen, einer kalkigen und einer vulkanischen bestehend. Seit dem Erscheinen dieser, für die meisten Gebiete notgedrungen aus einer sehr ungleichwertigen Literatur schöpfenden Darstellung sind an vielen Stellen Beobachtungen und Funde gemacht worden, die schon jetzt erkennen lassen, daß die Einreihung aller gipsführenden Schichtreihen in das Oberniiocän nicht den Tatsachen entspricht. Der erste, der meines Wissens das betonte, war FLIEGEL. 1921, gelegentlich eines Vortrages in der Deutschen Geologischen Gesellschaft: ,Über Landschaftsformen in Kleinasien" sprach er aus, ,daß die Gipsformation - unbeschadet der Wahrscheinlichkeit, daß örtlich auch jüngerer Gips vorkommt - älter ist. Ich habe auf meinen Reisen eine Fülle von Beobachtungen gesammelt, denen zufolge ich das höhere, alttertiäre Alter der Gips- und Salzformation als ein gesichertes Forschungsergebnis betrachten muß." Leider sind diese Beobachtungen bis heute nicht veröffentlicht, so daß auch die hierfür in Betracht kommenden Stellen nicht bekannt sind. Die Seltenheit der Fossilien in den gipsführenden Schichtreihen erschwert die Altersbestimmung in hohem Maße. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß nach Erscheinen der Arbeit von PHILIPPSON öfters diese Schichtreihen ohne nähere Begründung als obermiocän oder allgemeiner als neogen bezeichnet wurden. Erst die ausgedehnten Untersuchungen von CHAPUT haben neben vielen anderen wichtigen Ergebnissen auch für die Tertiärgliederung wesentliche Fortschritte gebracht. Vor allem konnte CHAPUT nachweisen, daß ein großer Teil der gipsführenden Schichten älter als Obermiocän ist. ...