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Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Berlin am 21. Februar 1940 - Ausführungen über 'Konvergenzen bei Korallen'

Weissermel; Schindewolf

Kurzfassung

Ich begrüße die Ausführungen des Herrn SCHINDEWOLF als nachdrückliche Beispiele für die Bedeutung von Konvergenzen in der Paläontologie. Wir wissen heute, daß wir die verschiedenen Vertreter einer anscheinenden Gattung eingehend darauf zu prüfen haben, ob es sich nicht um Nachkömmlinge aus verschiedenen Wurzeln handelt, die durch Konvergenz einander ähnlich geworden sind. Es ist nicht immer so gewesen. Einer der geistvollsten und dabei unbekümmertsten Paläontologen, die wir gehabt haben, war STEINMANN. Er hat die alte Auffassung, nach der äußere Umstände über die Zugehörigkeit entscheiden, in ein System gebracht, das so weit ging, daß ihm z. B. Fisch, Reptil, Säugetier nur Durchgangsstufen einer bestimmten, gleichbleibenden äußeren Gestalt waren. Der Ichtyosaurus stammte direkt vom Fisch ab, und der Delphin war sein unmittelbarer Nachkomme. Die verschiedenen Wirbeltiergruppen waren also nichts wie Entwicklungsstufen einer gleichbleibenden Form. Wir wissen heute, daß dem nicht so ist, sondern daß es sich um durch die Lebensweise erzwungene Konvergenzen ganz verschiedener Tiertypen handelt, die durch ihre innere Organisation zu unterscheiden sind. Den von Herrn SCHINDEWOLF angeführten Beispielen aus dem Reiche der Korallen möchte ich einige weitere hinzufügen, denn wir sehen die Wirkung der Konvergenz kaum irgendwo anders besser als hier.