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Hauptversammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Berlin am 21. Februar 1940 - Konvergente Formbildung bei Korallen und bei Ammoneen.

Schindewolf, Otto H.

Kurzfassung

Unter Konvergenzen verstellt man äußerlich ähnliche Formgestaltungen, die nicht auf gleicher Bauplan-Grundlage entstanden sind und dementsprechend auch nicht auf unmittelbarer stammesgeschichtlicher Verwandtschaft beruhen. Sie beziehen sich meist allein auf die Körperform, auf das Außenskelett, die Gehäusebildungen u. dgl. m. In weitergehenden Fällen greift die Konvergenz aber auch auf den inneren Bau über, so auf die Gestaltung des Septalapparates bei den Korallen oder der Lobenlinie bei den Ammoneen. Einige bezeichnende Beispiele dafür werden aus diesen beiden Tiergruppen vorgeführt. Sie zeigen, daß manche stammesgeschichtliche Vorstellungen selbst der neuesten Literatur lediglich auf Konvergenzen begründet sind und daß diese eine noch erheblich weitere Verbreitung besitzen, als man bisher annahm. Um diese atypischen Formähnlichkeiten als solche erkennen und richtig bewerten zu können, bedarf es einer sehr verfeinerten und vertieften paläontologischen Methodik. Neben der Paläontologie selbst zieht auch die Geologie beträchtlichen Gewinn aus der vervollkommneten paläontologischen Arbeitsweise: beträchtlicheh Isolierung der Konvergenzen und Auflösung heterogener Sammelgruppen, die lediglich äußerlich ähnliche Formen zusammenfassen, erhält der Stratigraph brauchhare Leitformen auch aus solchen Tiergruppen, die wegen ihrer vorgetauschten Langlebigkeit bisher als ungeeignet galten. Zum anderen ist natürlich die stratigraphische Aussagekraft des einzelnen Fossils um so größer, je exakter es paläonfologisch bearbeitet und bestimmt ist.